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Uhrenatlas

Cartier · seit 1917

Tank

Keine runde Uhr, sondern ein Rechteck: Die Tank zeigt seit 1919, was eine klare Form bewirken kann. Seitenstege, römische Ziffern und ein runder Saphir an der Krone erkennt man sofort.

Marke
Cartier
Erschienen
1919 im Verkauf (Entwurf laut Cartier 1917)
Gestaltet von
Louis Cartier
Art
Elegante, rechteckige Armbanduhr
Erkennungszeichen
zwei parallele Seitenstege (Brancards), römische Ziffern, Saphir-Cabochon an der Krone
Bekannte Varianten
Tank Cintrée (1921), Tank Louis Cartier (1922), Tank Américaine (1989), Tank Française (1996)
Herstellung
Schweiz, Cartier-Manufaktur in La Chaux-de-Fonds
Weitere Varianten
Tank Chinoise (Anfang 1920er-Jahre), Tank Basculante (1932), Tank Asymétrique (1936), Tank Must (Mitte 1970er-Jahre, neu 2021)
Rechteckige Cartier Tank mit goldfarbenem Gehäuse, cremefarbenem Zifferblatt mit römischen Ziffern, Saphir-Cabochon an der Krone und schwarzem Lederband
Cartier Tank der Linie «Les Must de Cartier» mit goldfarbenem Gehäuse · Bild: Guy Sie, CC BY-SA 2.0

Ein Rechteck statt eines Kreises

Louis Cartier, der das Pariser Haus der Familie leitete, entwarf die Tank laut Cartier 1917. Das Haus beschreibt sie als Abkehr von der traditionellen runden Uhr: Sie sei aus dem Gedanken entstanden, ein rechteckiges Gehäuse zu wählen. Zwei parallele Seitenstege, die «Brancards», fassen das Gehäuse ein und sind zur Signatur der Tank geworden.

Dazu kommen römische Ziffern, ein Minutenring in der Form eines Schienenstrangs, gebläute Stahlzeiger (der Stahl wird erhitzt, bis er blau anläuft) und ein rund geschliffener Saphir, ein Cabochon, an der Krone.

Der Name «Tank» ist das englische Wort für Panzer. Oft wird erzählt, ein Panzer des Ersten Weltkriegs habe Louis Cartier zur Form angeregt und ein Prototyp sei an den amerikanischen General Pershing gegangen. Gesichert ist beides nicht.

Die ersten sechs Uhren

Die ersten sechs Tank kamen Ende 1919 in den Verkauf und waren Mitte Januar 1920 vergriffen. Danach feilte Cartier an der Form: Die Tank Cintrée von 1921 ist länglich und gebogen. Die Tank Louis Cartier von 1922 hat ein schlankeres Gehäuse mit weicheren Kanten und gilt vielen als die klassische Tank.

Eine Familie mit vielen Gesichtern

Aus der Tank wurde eine ganze Familie. 1989 erschien die Tank Américaine mit gewölbtem Gehäuse, 1996 die Tank Française, deren Metallband fliessend ins Gehäuse übergeht, und 2004 die Tank Solo als Einstiegsmodell. Alle behalten die Grundzüge: Rechteck, römische Ziffern, Seitenstege.

Die abgebildete Tank Américaine aus Gelbgold trägt auf dem Zifferblatt den Aufdruck «Swiss made»: Cartier ist ein französisches Haus, baut seine Uhren aber in der Schweiz, in La Chaux-de-Fonds. Eine zweite Cartier-Ikone mit eigener Geschichte ist die quadratische Santos.

Hohe, leicht gewölbte Cartier Tank Américaine in Gelbgold mit braunem Lederband und dem Aufdruck «Swiss made» auf dem Zifferblatt
Cartier Tank Américaine in Gelbgold (Design Museum, London) · Bild: Daderot, CC0

Eine Stilikone

Die Tank wird oft mit Mode und Kunst verbunden. Prinzessin Diana trug die Tank Louis und später die Française, und Andy Warhol soll gesagt haben, er trage seine Tank nicht, um die Uhrzeit abzulesen. Cartier gehört heute zur Genfer Richemont-Gruppe.

Lange kamen die Werke für Cartier-Uhren von Spezialisten, etwa von Jaeger-LeCoultre; das erste eigene Automatikwerk, das Kaliber 1904 MC, folgte erst 2010. Zum 100. Jahrestag der Tank gab es 2017 ein Modell mit Automatikwerk.

Kühne Formen zwischen den Kriegen

In den 1920er- und 1930er-Jahren spielte Cartier mit der Grundform der Tank. Anfang der 1920er-Jahre erschien die Tank Chinoise, französisch für «chinesisch»; Cartier legte sie 2022 in der Reihe Cartier Privé in kleiner Auflage neu auf.

1932 folgte die Tank Basculante, vom französischen «basculer», kippen. Ihr Gehäuse sitzt in einem Rahmen und lässt sich umdrehen, sodass das Glas beim Sport geschützt ist. Sie kam rund ein Jahr nach der Reverso von Jaeger-LeCoultre auf den Markt, die nach einem ähnlichen Gedanken gebaut ist.

1936 kam die Tank Asymétrique dazu, auch «Parallélogramme» genannt: Ihr Gehäuse ist schräg verschoben wie ein Parallelogramm.

Die Tank Must: vom vergoldeten Silber zur Sonnenzelle

Mitte der 1970er-Jahre brachte Cartier unter dem Namen «Les Must de Cartier» Waren heraus, die neue Kundschaft anlocken sollten, darunter die Tank Must. Die Idee stammte von Alain-Dominique Perrin und Robert Hocq. Die Uhr folgte der Form der Tank Louis Cartier, ihr Gehäuse war aber aus Vermeil, also vergoldetem Silber. Anfangs liefen darin mechanische Werke, später Quarzwerke.

2021 legte Cartier die Tank Must neu auf. Eine Ausführung, «SolarBeat» genannt, gewinnt ihre Energie aus Licht: Es fällt durch winzige Öffnungen in den römischen Ziffern auf Solarzellen unter dem Zifferblatt. Laut Cartier hält das Werk mehr als 16 Jahre, bevor die Batterie gewechselt werden muss. Entwickelt wurde es in der Cartier-Manufaktur in La Chaux-de-Fonds. Das Armband dieser Ausführung besteht zu rund 40 Prozent aus Pflanzenmaterial, unter anderem aus Abfällen von Äpfeln aus der Lebensmittelindustrie.

Gut zu wissen

  • Ein Cabochon ist ein rund geschliffener Stein ohne Facetten. Bei der Tank sitzt er an der Krone.
  • Gebläute Zeiger sind aus Stahl und werden durch Erhitzen blau; sie heben sich so vom hellen Zifferblatt ab.
  • Vermeil ist vergoldetes Silber. Die Tank Must der 1970er-Jahre war deshalb günstiger als eine Tank aus massivem Gold.
  • «Basculante» kommt vom französischen «basculer», kippen: Das Gehäuse dieser Tank lässt sich im Rahmen umdrehen.

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