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Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 1839

Patek Philippe

Für viele Sammler das erste Haus der Schweizer Uhrmacherei: Patek Philippe baut seit 1839 in Genf Uhren – unabhängig, in Familienbesitz und berühmt für seine Komplikationen.

Gegründet
1839 in Genf
Gründer
Antoine Norbert de Patek und François Czapek; ab 1845 Adrien Philippe
Sitz
Genf; Manufaktur in Plan-les-Ouates
Besitz
Familie Stern (seit 1932), unabhängig
Bekannt für
Calatrava, Nautilus, grosse Komplikationen
Geöffnete goldene Taschenuhr von Patek Philippe mit sichtbarem Uhrwerk
Patek Philippe Taschenuhr mit Minutenrepetition und Schleppzeiger-Chronograph, Genf, um 1895 (Franklin Institute, Philadelphia) · Bild: Daderot, gemeinfrei

Zwei Polen in Genf

1839 gründeten zwei polnische Emigranten in Genf eine Uhrenfirma: Antoine Norbert de Patek und der Uhrmacher François Czapek. Sie hiess zunächst Patek, Czapek & Cie und fertigte Taschenuhren.

Geöffnete goldene Taschenuhr mit Uhrwerk, signiert von Czapek in Genf
Taschenuhr von François Czapek, Genf (Metropolitan Museum of Art, New York) · Bild: The Metropolitan Museum of Art, New York (Uhr: François Czapek), CC0

Adrien Philippe und die Krone

Der französische Uhrmacher Adrien Philippe hatte 1842 einen Mechanismus erfunden, mit dem man eine Uhr über die Krone aufziehen und stellen konnte – ohne den bis dahin üblichen kleinen Schlüssel. 1844 wurde er dafür in Paris mit einer Medaille ausgezeichnet. Patek holte ihn nach Genf: 1845 trat Philippe an Czapeks Stelle in die Firma ein, die nun Patek & Cie hiess. Ab 1851 trug sie beide Namen: Patek, Philippe & Cie.

Historischer Stich: Porträt von Adrien Philippe mit Bart und Fliege
Adrien Philippe (1815–1894), Stich · Bild: unbekannter Stecher (Reproduktion: Karel K.), gemeinfrei

Die Familie Stern

In der Weltwirtschaftskrise geriet Patek Philippe in Schwierigkeiten. 1932 übernahmen die Brüder Charles und Jean Stern das Unternehmen; ihre Firma Cadrans Stern Frères hatte bis dahin Zifferblätter geliefert. Seither gehört Patek Philippe der Familie Stern und keinem Konzern. Seit 2009 führt Thierry Stern das Haus als Präsident.

Die Kunst der Komplikation

Patek Philippe ist vor allem für komplizierte Uhren bekannt: ewige Kalender, Minutenrepetitionen, Weltzeituhren. Berühmt ist die Henry Graves Supercomplication: eine goldene Taschenuhr mit 24 Komplikationen, darunter eine Himmelskarte des New Yorker Nachthimmels, die der Bankier Henry Graves Jr. 1925 bestellte und Anfang 1933 erhielt. Bei Sotheby's in Genf erzielte sie 2014 rund 23,2 Millionen Franken.

Zum 150-jährigen Bestehen stellte die Firma 1989 das Kaliber 89 vor, eine Taschenuhr mit 33 Komplikationen.

Zifferblatt einer Patek Philippe World Time in Roségold mit farbiger Weltkarte und den Städtenamen der Zeitzonen
Patek Philippe World Time (Ref. 5131R) in Roségold · Bild: Scu16M, CC BY-SA 3.0

Ein eigenes Siegel

Seit 2009 prüft Patek Philippe seine Uhren nach einem eigenen Qualitätssiegel, dem Patek-Philippe-Siegel, das schrittweise das Genfer Siegel ablöste. Seit 1996 entstehen die Uhren in der Manufaktur in Plan-les-Ouates bei Genf. Das Patek Philippe Museum in Genf, eröffnet 2001, zeigt rund 2'500 Objekte aus mehreren Jahrhunderten.

Meilensteine

  1. 1839 Gründung als Patek, Czapek & Cie in Genf.
  2. 1845 Adrien Philippe tritt an die Stelle von Czapek.
  3. 1851 Die Firma heisst Patek, Philippe & Cie.
  4. 1868 Laut Patek Philippe die erste Schweizer Armbanduhr, für die ungarische Gräfin Koscowicz.
  5. 1887 Das Calatrava-Kreuz wird als Marke eingetragen.
  6. 1932 Die Familie Stern übernimmt; die Calatrava Referenz 96 erscheint.
  7. 1933 Henry Graves Jr. erhält seine Supercomplication.
  8. 1976 Die Nautilus erscheint.
  9. 1989 Kaliber 89 mit 33 Komplikationen zum 150-jährigen Bestehen.
  10. 1996 Umzug in die Manufaktur in Plan-les-Ouates.
  11. 2001 Das Patek Philippe Museum in Genf öffnet.
  12. 2009 Eigenes Patek-Philippe-Siegel.

Bilder von Patek Philippe

Patek Philippe Flyback-Chronograph mit Jahreskalender, grünlich-grauem Zifferblatt und Stahlband an einer Ausstellung
Patek Philippe Jahreskalender-Chronograph (Ref. 5905/1A) · Bild: Hugo Sykes (Pexels), Pexels-Lizenz
Patek Philippe mit ewigem Kalender, Mondphase, Wochentag- und Monatsfenster und von Hand graviertem Gehäuse vor schwarzem Hintergrund
Patek Philippe Ewiger Kalender mit graviertem Gehäuse · Bild: Kent Lâm (@kentlam) (Unsplash), Unsplash-Lizenz
Runde Patek Philippe mit weissem Emailzifferblatt, schwarzen Breguet-Ziffern und zwei Hilfszifferblättern an schwarzem Lederband, frontal vor dunklem Hintergrund
Patek Philippe Schleppzeiger-Chronograph in einer Ausstellungsvitrine (2007) · Bild: Rama, CC BY-SA 2.0 fr
Goldene Taschenuhr von Patek Philippe mit weissem Zifferblatt, Mondphase, ewigem Kalender und Chronographen-Zählern auf einem Plexiglas-Ständer
Goldene Patek Philippe Taschenuhr mit Grande Complication in einer Ausstellungsvitrine (2007) · Bild: Rama, CC BY-SA 2.0 fr

Ikonen von Patek Philippe

Patek Philippe Calatrava mit hellem Zifferblatt, Datumsfenster und schwarzem Lederband

Patek Philippe · 1932

Calatrava

Rund, flach, ohne Schnörkel: Die Calatrava zeigt, wie gut eine Uhr aussehen kann, wenn man alles Überflüssige weglässt.

Patek Philippe Nautilus aus Stahl mit blau verlaufendem, horizontal gerilltem Zifferblatt vor schwarz-weissem Hintergrund

Patek Philippe · 1976

Nautilus

Gross, sportlich und aus Stahl – und trotzdem als eine der teuersten Uhren der Welt beworben: Die Nautilus war 1976 ein Wagnis und ist heute eine der begehrtesten Sammleruhren.

Wichtige Modelle von Patek Philippe

  • Calatrava

    1932 · Dresswatch (elegante, flache Uhr zum Anzug)

    Rund, schlicht und mit wenigen Anzeigen: die klassische Anzugsuhr des Hauses. Die erste Calatrava war 1932 die Referenz 96; das Calatrava-Kreuz ist seit 1887 das Markenzeichen von Patek Philippe.

  • Nautilus

    1976 · Luxus-Sportuhr aus Stahl

    Stahl-Sportuhr mit abgerundet-achteckiger Lünette in der Art eines Schiffsbullauges und integriertem Armband, gestaltet von Gérald Genta zusammen mit Patek Philippe. 2018 erschien die erste Nautilus mit ewigem Kalender.

  • Aquanaut

    1997 · Sportlich-elegante Armbanduhr

    Die jüngere, sportlichere Verwandte der Nautilus: Die Lünette ist ein abgerundetes Achteck, Zifferblatt und Armband tragen ein geprägtes Karomuster. Das Armband besteht aus einem Verbundstoff, der laut Marke Salzwasser und UV-Licht widersteht.

  • Golden Ellipse

    1968 · Dresswatch (elegante Anzugsuhr) mit ovalem Gehäuse

    Ein elliptisches Gehäuse «zwischen Kreis und Rechteck», dessen Proportionen laut Patek Philippe dem Goldenen Schnitt folgen, einem Verhältnis, das seit der Antike als harmonisch gilt. 1968 war die Form ein bewusster Bruch mit dem Üblichen.

  • World Time

    1939 · Weltzeituhr (Komplikation)

    Die Weltzeituhr zeigt gleichzeitig die Zeit in 24 Städten und damit in allen Zeitzonen der Erde. Die erste Referenz, die 1415, erschien 1939; die Komplikation (Zusatzfunktion jenseits der Zeitanzeige) hatte 1931 der Uhrmacher Louis Cottier erfunden.

  • Ewiger Kalender Chronograph

    1941 · Grande Complication (Chronograph mit ewigem Kalender)

    Stoppuhr-Funktion plus ein ewiger Kalender, der Monatslängen und Schaltjahre selbst berücksichtigt und bis 2100 keine Korrektur braucht. Die Referenz 1518 von 1941 war laut Marke die erste serienmässig gebaute; die heutige Nachfolgerin ist die 5270 (seit 2011).

  • Jahreskalender (Annual Calendar)

    1996 · Kalenderkomplikation

    Eine Kalenderfunktion, die Patek Philippe 1996 patentieren liess; die erste Referenz war die 5035. Die Referenz 5250 trug laut Marke das erste Hemmungsrad aus Silizium.

  • Sky Moon Tourbillon

    2001 · Grande Complication mit zwei Zifferblättern

    Eine Armbanduhr mit zwei Zifferblättern und zwölf Komplikationen, darunter astronomische Anzeigen mit Himmelskarte und Mondphasen sowie ein Tourbillon (ein drehender Käfig, der Lagefehler ausgleichen soll). Die erste Referenz 5002 erschien 2001.

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