Zum Inhalt springen
Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 2001

Richard Mille

Richard Mille ist ein Spätstarter unter den Spitzenhäusern: Erst 2001 erschien die erste Uhr. Das Konzept fasst die Marke selbst in den Satz «A racing machine on the wrist» zusammen – Uhren, gebaut wie Rennwagen.

Gegründet
2001 in Les Breuleux (Betriebsgesellschaft Horométrie SA)
Gründer
Richard Mille (geboren 1951 in Draguignan, Frankreich) und Dominique Guenat
Sitz
Les Breuleux im Schweizer Jura
Gehört zu
Privatunternehmen; Audemars Piguet hält laut WatchesbySJX 10 Prozent (2018)
Bekannt für
Tonneau-Gehäuse mit Torque-Schrauben, ultraleichte Uhren, Zusammenarbeit mit Sportlern und Rennställen
Armbanduhr von Richard Mille mit tonneauförmigem blauem Gehäuse, sichtbaren Schrauben an der Lünette, offenem Skelett-Zifferblatt und weissem Kautschukband
Richard Mille RM 030 Automatic in Blau und Weiss (Aufnahme von 2018) · Bild: Y.Leclercq, CC BY-SA 4.0

Mit fünfzig noch einmal von vorn

Richard Mille hatte jahrelang Uhren- und Schmuckmarken anderer Häuser geführt, als er beschloss, ein eigenes Haus zu gründen. Als er 1988 den Schweizer Uhrenhersteller Dominique Guenat kennenlernte, war er bei Mauboussin für Uhren und Schmuck verantwortlich. Mit fünfzig, so die Marke, wollte er die Uhr seiner Träume bauen – ohne Rücksicht auf die Kosten – und ein neues Segment im obersten Luxusbereich schaffen.

Sein Partner wurde Guenat, dem die Firma Guenat SA Montres Valgine in Les Breuleux gehört: ein Familienbetrieb, den Ali Guenat 1900 übernommen hatte. Laut Richard Mille taten sich die beiden Freunde 1999 zusammen, 2001 entstand mit der Horométrie SA die Betriebsgesellschaft der Marke.

RM 001: eine Uhr wie ein Rennwagen

Die erste Uhr mit Milles Namen war 2001 die RM 001 Tourbillon, ein Handaufzugsmodell in einer ersten Serie von 17 Stück. Ihr Tonneau-Gehäuse (fassförmig) mit den auffälligen Torque-Schrauben wurde zum Erkennungszeichen der Marke. Werk, Gehäuse und Zifferblatt wurden gleichzeitig entworfen; das Zifferblatt trat zurück, das Werk selbst wurde zum Blickfang. Eine Anzeige für die Gangreserve und eine für das Drehmoment (englisch «torque») sitzen links und rechts des Federhauses.

Im selben Jahr folgte die RM 002; sie bekam laut Marke als Weltpremiere eine Werkplatte aus Titan und einen Funktionsanzeiger für Aufzug, Neutral- und Zeigerstellposition.

Tonneau, Rechteck, Rund

Die Tonneau-Form blieb das Gesicht der Marke, doch Richard Mille probierte früh andere Formen aus. Laut eigener Darstellung stellte die Marke 2007 mit der extraflachen RM 016 ihr erstes Modell vor, das von der Tonneau-Form abwich, mit rechteckigem Gehäuse; 2009 folgte mit der RM 025 die erste Taucheruhr und zugleich das erste runde Gehäuse im Programm.

Runde Taucheruhr von Richard Mille mit drehbarer goldfarbener Lünette, Skelett-Zifferblatt mit Chronographen-Anzeigen und schwarzem Kautschukband
Richard Mille RM 025, Taucheruhr mit rundem Gehäuse (Aufnahme von 2018) · Bild: Y.Leclercq, CC BY-SA 4.0

Leicht, hart, sportlich

Bei den Werkstoffen setzt Richard Mille auf Technik: Carbon TPT und Quartz TPT entstanden zusammen mit dem Spezialisten North Thin Ply Technology. 2012 zeigte die Marke die RM 056, laut eigener Darstellung die erste Uhr mit tonneauförmigem Gehäuse aus massivem Saphir. 2017 brachte die RM 50-03 McLaren F1 mit «Graph TPT» einen Verbundwerkstoff mit Graphen.

Sportler dienen als Prüfstand. Felipe Massa war 2004 der erste Partner der Marke; Rafael Nadal trug 2010 bei den French Open die RM 027. Laut Marke wog die RM 27-01 von 2013 samt Armband weniger als 18,83 Gramm; die RM 27-05 von 2024 wiegt ohne Band 11,5 Gramm und übersteht Beschleunigungen von 14'000 g.

Auszeichnung, Netzwerk und Beteiligung

2007 gewann die RM 012 Tourbillon beim Grand Prix d'Horlogerie de Genève die Aiguille d'Or, den Hauptpreis. Die Uhren entstehen in Les Breuleux im Schweizer Jura, doch nicht an einem einzigen Ort: 2014 arbeitete die Marke mit einem Netzwerk aus Partnern. Die Firma ProArt, Teil der Gruppe, fertigte Gehäuse und Werkteile, die kompliziertesten Werke kamen von Audemars Piguet Renaud & Papi. Damals lag die Stückzahl bei rund 3'400 Uhren im Jahr.

Audemars Piguet hält 10 Prozent an Richard Mille (Stand 2018). Beide Marken kündigten im September 2018 an, nach 2019 nicht mehr am Genfer Salon SIHH teilzunehmen; Richard Mille verwies dabei auf die eigenen Boutiquen. Dazu kommen eigene Werke: Laut Richard Mille entstand 2019 ihr erstes selbst entwickeltes Tourbillonkaliber und 2020 der erste Flyback-Chronograph mit Eigenwerk.

Meilensteine

  1. 2001 Die RM 001 Tourbillon erscheint, in einer ersten Serie von 17 Uhren; die Horométrie SA entsteht.
  2. 2004 Felipe Massa wird erster Partner der Marke; die RM 006 entsteht mit ihm.
  3. 2005 Die erste eigene Boutique eröffnet in Hongkong.
  4. 2007 Die RM 012 Tourbillon gewinnt die Aiguille d'Or; die extraflache RM 016 weicht von der Tonneau-Form ab.
  5. 2009 Mit der RM 025 erscheint laut Marke die erste Taucheruhr und das erste runde Gehäuse.
  6. 2010 Erster Auftritt am SIHH; Rafael Nadal trägt die RM 027 in Roland-Garros.
  7. 2012 Die RM 056 mit Gehäuse aus massivem Saphir erscheint.
  8. 2017 Graph TPT, ein Verbundwerkstoff mit Graphen, debütiert in der RM 50-03 McLaren F1.
  9. 2019 Letzter Auftritt am SIHH; die Marke präsentiert ihr erstes Tourbillonkaliber aus eigener Entwicklung.

Wichtige Modelle von Richard Mille

  • RM 001 Tourbillon

    2001 · Tourbillon-Armbanduhr mit Handaufzug

    Die erste Uhr der Marke, 2001 erschienen und auf 17 Stück begrenzt. Das Werk selbst ersetzt das Zifferblatt; links zeigt eine Anzeige die Gangreserve, rechts das Drehmoment (englisch «torque»). Das Weissgoldgehäuse misst 45 mal 38,3 Millimeter.

  • RM 012 Tourbillon

    2006 · Tourbillon-Armbanduhr

    Eine äusserst komplizierte Tourbillon-Uhr (ein Tourbillon ist ein drehender Käfig, der Lagefehler ausgleichen soll). 2007 gewann sie die Aiguille d'Or, den Hauptpreis des Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

  • RM 016

    2007 · Extraflache Armbanduhr

    Eine extraflache Uhr mit rechteckigem Gehäuse. Sie war das erste Modell der Marke, das von der fassförmigen Tonneau-Form abwich.

  • RM 025 Tourbillon Chronograph

    2009 · Tourbillon-Chronograph

    Laut Marke das erste Modell mit rundem Gehäuse im Programm, das sonst von der Tonneau-Form geprägt ist.

  • RM 027 Tourbillon (Rafael Nadal)

    Ultraleichte Sportuhr mit Tourbillon

    Entstanden mit dem Tennisspieler Rafael Nadal, der sie bei den French Open trug. Das Werk besteht aus Titan und LITAL (einem sehr leichten Werkstoff); mit Armband wiegt die Uhr nur etwa 20 Gramm.

  • RM 056 Saphir Tourbillon

    2012 · Tourbillon-Armbanduhr mit Saphirgehäuse

    Laut Marke die erste Uhr mit tonneauförmigem Gehäuse aus massivem Saphir, also aus jenem durchsichtigen Material, aus dem sonst die Gläser bestehen.

  • RM 50-03 Tourbillon McLaren F1

    2017 · Tourbillon-Chronograph mit Leichtbau

    Mit ihr führte die Marke 2017 Graph TPT ein, einen neuen Verbundwerkstoff. Die Uhr entstand mit dem Rennstall McLaren und wiegt mit Armband nur 38 Gramm.

  • RM 72-01 Flyback-Chronograph

    2020 · Flyback-Chronograph (Rückstellung auf null im Lauf)

    Laut Marke der erste Flyback-Chronograph mit einem selbst entwickelten Werk.

Teste dein Wissen

Quiz: Was weisst du über Richard Mille?

Mehr Fragen gibt es im grossen Quiz.