So funktioniert eine mechanische Uhr
Lagersteine
Lagersteine sind winzige, meist synthetische Rubine, in denen sich die dünnen Wellenenden des Werks drehen. Sie senken Reibung und Verschleiss; die Zahl der Steine sagt aber wenig über die Qualität.

Kleine Lager aus Edelstein
Die Wellen im Uhrwerk sind an ihren Enden zu dünnen Zapfen ausgedreht, und diese Zapfen drehen sich in Lagern. Bestünden die Lager aus Metall, gäbe es Reibung und Verschleiss. Deshalb setzt man an wichtigen Stellen Lagersteine ein: kleine Ringe aus Edelstein mit einem Loch in der Mitte, in dem der Zapfen läuft. Man nennt sie Lochsteine. Sie sind in die Platine oder die Brücken eingepresst oder in eine kleine Goldfassung (Chaton) geschraubt.
Auf einer Seite hat der Lochstein eine kleine Mulde, die Ölsenkung. Sie hält einen winzigen Tropfen Öl am Zapfen fest. Decksteine – kleine Scheiben ohne Loch – begrenzen zusätzlich das Spiel der Welle in Längsrichtung, etwa bei der Unruh.
Warum Rubin?
Rubin und Saphir sind dasselbe Mineral, Korund, nur anders gefärbt. Es ist sehr hart (Mohs-Härte 9) und nutzt sich kaum ab. Dazu kommt, dass ein Stahlzapfen auf Saphir besonders gut gleitet: Die Haftreibung beträgt nur etwa 0,10 bis 0,15, bei Messing auf Stahl sind es rund 0,35. Weniger Reibung heisst: Es geht weniger Energie verloren, die Lager halten länger, und die Unruh schwingt gleichmässiger.
Anfangs verwendete man natürliche Edelsteine wie Diamant, Rubin und Saphir. Schon 1704 entwickelte Nicolas Fatio de Duillier die Technik, Uhrenlager aus Edelstein zu bauen. 1902 erfand Auguste Verneuil ein Verfahren, synthetischen Rubin und Saphir herzustellen; das machte die Steine billig. Heute sind die Lagersteine in Uhrwerken meist synthetisch.
Wo die Steine sitzen
Nicht jedes Rad bekommt Steine. Sie sitzen dort, wo sich Teile schnell drehen oder gleiten und stark belastet sind: an der Unruh (beidseitig, mit Decksteinen), am Anker, am Ankerrad und an den Rädern des Räderwerks. Eine hochwertige Handaufzugsuhr braucht mindestens etwa 15 Steine, ein voll besteintes einfaches Werk hat 17. Die zwei Palettensteine am Anker und der Hebelstein an der Unruh sind übrigens keine Lager, sondern Gleitflächen der Hemmung.
Bei Automatikuhren kommen mindestens vier Steine für das Kugellager des Rotors dazu, und auch Komplikationen wie ein Chronograph erhöhen die Zahl.
Was die Zahl «Jewels» bedeutet
Auf Zifferblatt oder Werk steht oft «17 Jewels» oder «25 Rubis». Die Zahl gibt an, wie viele Steine im Werk stecken. Typisch sind 7 bei einem einfachen Werk, 17 bei einem voll besteinten Werk, 21 oder 23 bei Qualitätswerken und 25 bis 27 bei Automatikwerken.
Wichtig: Die Steinzahl ist kein Mass für Qualität, sie ist vor allem ein Werbeargument. Entscheidend ist, dass die wichtigen Lagerstellen besteint sind; zusätzliche Steine bringen wenig. Eine Norm (ISO 1112) soll seit 1974 verhindern, dass Steine ohne Funktion mitgezählt werden, trotzdem kommt das vor.
Gut zu wissen
- Rubin und Saphir sind chemisch dasselbe Mineral, Korund; der Unterschied liegt in der Farbe.
- Bei A. Lange & Söhne stecken je nach Uhr zwischen 30 und 70 Steine – wegen der Komplikationen, nicht wegen besserer Zeitmessung.
- Thomas Mudge setzte um 1757 erstmals Palettensteine ein, als er die Ankerhemmung erfand.
- Die Zahl der Steine in der Werbung sagt nichts darüber, wie genau die Uhr geht.
Stand: 26.10.2026