Zum Inhalt springen
Uhrenatlas

Blancpain · seit 1953

Fifty Fathoms

Ein Beinahe-Unglück beim Tauchen und die Wünsche französischer Kampfschwimmer: Blancpain nennt die Fifty Fathoms die erste echte Taucheruhr – ob sie das war, ist umstritten, ihr Aufbau prägte aber viele spätere Taucheruhren.

Marke
Blancpain
Erschienen
1953 (Jahr laut Blancpain)
Entstanden mit
Jean-Jacques Fiechter (Blancpain) und den Kampfschwimmern Bob Maloubier und Claude Riffaud
Art
Taucheruhr mit Automatikwerk und drehbarer Lünette
Name
«50 Faden», rund 91 Meter – eine damals erreichbare Tauchtiefe
Erste Ausführung
laut Blancpain mindestens 10 bar wasserdicht, antimagnetisch, grosse Leuchtindizes

Für die Fifty Fathoms haben wir noch kein frei lizenziertes Foto gefunden.

Bilder beim Hersteller ansehen ↗

Ein Taucher, dem die Luft ausging

Jean-Jacques Fiechter, ab 1950 Co-Chef von Blancpain, war leidenschaftlicher Taucher. Laut Blancpain ging ihm eines Tages beim Tauchen vor Cannes die Luft aus. Das Erlebnis zeigte ihm, wie dringend Taucher ein Zeitmessgerät brauchten, das für ihre Bedürfnisse gebaut war.

Zur gleichen Zeit suchten Robert «Bob» Maloubier und Claude Riffaud, die Gründer der neuen Kampfschwimmer-Einheit der französischen Marine, ab 1952 eine Uhr für ihre Einsätze. Die Uhren anderer französischer Marken, die sie testeten, waren zu klein, unter Wasser schlecht lesbar und nicht wasserdicht. 1953 lieferte Blancpain, was sie verlangten.

Was die Uhr können musste

Die Fifty Fathoms verband mehrere Eigenschaften, die für Taucher wichtig waren: ein Automatikwerk (es schont die Dichtungen der Krone, weil man seltener aufziehen muss), Schutz gegen Magnetfelder, Wasserdichtigkeit bis mindestens 10 bar – das entspricht rund 100 Metern Wassertiefe – sowie grosse Leuchtindizes auf dunklem Zifferblatt, damit man die Zeit auch in trübem Wasser ablesen kann.

Dazu kamen Erfindungen von Fiechter, die patentiert wurden: eine Krone mit doppelter Dichtung, ein Gehäuseboden mit besonderem Dichtungsring und eine drehbare Lünette mit Sperre, die man nicht versehentlich verstellt. Mit der Lünette, dem Ring um das Glas, behält der Taucher im Auge, wie lange er schon unten ist. Der Name steht für 50 Faden, rund 91 Meter: eine Tiefe, die damals mit den üblichen Atemgemischen als erreichbar galt.

Von den Kampfschwimmern zur US Navy

Der Erfolg bei den französischen Kampfschwimmern sprach sich herum: Laut Blancpain übernahmen bald die wichtigsten Streitkräfte der Zeit, darunter Frankreich, Deutschland, die USA und Norwegen, die Uhr für ihre Kampftaucher.

Für die US Navy entstand ab 1957 die Ausführung «MIL-SPEC». Ihr Zifferblatt trägt bei 6 Uhr einen Feuchtigkeitsanzeiger: eine Scheibe, die ihre Farbe ändert, wenn Wasser ins Gehäuse gedrungen ist. Das Gehäuse der MIL-SPEC von 41,3 Millimetern bestand aus Neusilber; das Werk schützte ein Käfig aus weichem Eisen vor Magnetfeldern. Laut Blancpain sah die US Navy darin die einzige Uhr, die alle ihre strengen Anforderungen erfüllte.

Die erste Taucheruhr? Eine offene Frage

Blancpain nennt die Fifty Fathoms die erste echte Taucheruhr und 1953 ihr Geburtsjahr. Kritiker halten dagegen, die ältesten datierten Belege, nämlich Patentanmeldung und Markeneintrag, stammten erst aus dem Jahr 1954, und die Firma sei 1955 erstmals an der Basler Messe aufgetreten. Um dieselbe Zeit entstand die Submariner von Rolex; welche der beiden Uhren zuerst da war, wird je nach Quelle unterschiedlich beantwortet. Fest steht, dass die Fifty Fathoms in den 1950er-Jahren zu den frühen Taucheruhren mit diesen Merkmalen zählte.

Zum 50. Geburtstag erschien 2003 eine dreiteilige Sonderserie mit je 50 Stück, zum 70. Geburtstag 2023 gab es drei Jubiläumsmodelle. Das dritte, eine Neuauflage der MIL-SPEC in Bronzegold mit 41,3 Millimetern, wurde auf 555 Stück begrenzt.

Gut zu wissen

  • Ein Faden (englisch «fathom») misst rund 1,83 Meter; 50 Faden entsprechen also etwa 91 Meter.
  • «MIL-SPEC» steht für «Military Specification»: eine militärische Vorgabe, nach der eine Uhr gebaut wird.
  • Für die Fifty Fathoms gibt es auf Wikimedia Commons bisher kein Foto mit sicher geklärter freier Lizenz; deshalb verweisen wir auf die Bilder beim Hersteller.

Teste dein Wissen

Quiz: Was weisst du über die Fifty Fathoms?

Mehr Fragen gibt es im grossen Quiz.