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Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 1735

Blancpain

Blancpain führt seine Geschichte auf das Jahr 1735 zurück. Heute steht der Name für grosse Komplikationen aus dem Vallée de Joux und für die Taucheruhr Fifty Fathoms.

Gegründet
1735 in Villeret (laut Blancpain)
Gründer
Jehan-Jacques Blancpain
Sitz
Le Brassus im Vallée de Joux; Hauptmanufaktur in Le Sentier
Gehört zu
Swatch Group (seit 1992)
Bekannt für
Fifty Fathoms, Villeret-Kollektion, grosse Komplikationen wie die «1735»
Armbanduhr von Blancpain mit weissem Zifferblatt, römischen Ziffern, Datumsfenster und einem kleinen Hilfszifferblatt mit der Aufschrift «8 Jours»
Blancpain-Armbanduhr mit Datum und Gangreserve-Anzeige «8 Jours» (Aufnahme von 2007) · Bild: Rama, CC BY-SA 2.0 fr

Villeret, 1735: ein Bauer wird Uhrmacher

Am Anfang steht ein Dorf im Berner Jura. Der Bauer Jehan-Jacques Blancpain, geboren 1693, arbeitete ab 1735 als erster seiner Familie in der Uhrenbranche. Laut Blancpain liess er sich in diesem Jahr in den Dorfakten von Villeret als Uhrmacher eintragen; das Haus nennt 1735 deshalb als Gründungsjahr. Rund 80 Jahre später, um 1815, baute Frédéric-Louis Blancpain die Werkstatt zu einem halbindustriellen Betrieb aus. Letzter Namensträger an der Spitze war Frédéric-Emile Blancpain, der 1932 starb.

Blancpain bezeichnet sich deshalb gern als älteste Uhrenmarke der Welt. Ganz so eindeutig ist das nicht: Aus der Frühzeit sind kaum Zeugnisse erhalten, weil die Blancpains ihre Uhren nicht mit einer Marke versahen. Das Familienunternehmen, seit 1959 als Manufacture Rayville SA geführt, besteht zudem nicht mehr; nur der Markenname lebt weiter. Ob man von einer ununterbrochenen Geschichte sprechen kann, hängt also davon ab, ob man auf den Betrieb oder auf die Marke schaut.

Betty Fiechter und die Jahre im Konzern

Nach dem Tod von Frédéric-Emile Blancpain 1932 ging die Firma an seine langjährige Mitarbeiterin Betty Fiechter. Laut Blancpain war sie die erste Frau an der Spitze eines führenden Uhrenhauses. Nach gängiger Darstellung erwarb sie die Firma zusammen mit dem Verkaufsleiter André Léal und führte sie unter dem Namen Rayville weiter, einer Abwandlung von Villeret. Ab 1950 leitete sie das Haus gemeinsam mit ihrem Neffen Jean-Jacques Fiechter.

Laut Blancpain trat die Firma 1961 der Gruppe SSIH bei, zu der auch Omega, Tissot und Lémania gehörten, und wurde dort zum Zentrum der Werkherstellung.

Fifty Fathoms: die Uhr für Kampfschwimmer

Jean-Jacques Fiechter war selbst leidenschaftlicher Taucher. 1950 übernahm er Verantwortung im Haus und skizzierte, wie eine ideale Taucheruhr aussehen müsste. 1952 wandten sich Robert «Bob» Maloubier und Claude Riffaud, die Gründer der neuen französischen Kampfschwimmer-Einheit, an ihn: Sie fanden auf dem Markt keine Uhr, die unter Wasser zuverlässig blieb. Gemeinsam entstand die Fifty Fathoms, die 1953 erschien. Sie hatte Leuchtzeiger und Leuchtindizes auf dunklem Zifferblatt, eine drehbare Lünette (Ring um das Glas) zur Zeitmessung, ein Automatikwerk, hohe Wasserdichtigkeit und ein Gehäuse, das das Werk gegen Magnetfelder abschirmt.

Der Name verweist auf 50 Faden, rund 91 Meter – eine Tiefe, die damals mit den üblichen Sauerstoffgemischen als erreichbar galt. Ende der 1950er-Jahre rüstete die US Navy Kampftaucher mit der Uhr aus, später folgten weitere Armeen. Die Fifty Fathoms gilt vielen als erste moderne Taucheruhr.

Quarzkrise, Neustart und Swatch Group

In der Quarzkrise erwarben 1982/83 der Werkehersteller Jacques Piguet und der Manager Jean-Claude Biver den Namen Blancpain für 22'000 Franken. Die Neuausrichtung setzte ganz auf mechanische Uhren. Blancpain betont seither, nie eine Quarzuhr gebaut zu haben. 1991 erschien die «1735 Grande Complication», eine Armbanduhr in einer Serie von nur 30 Stück. Sie vereint Tourbillon, Minutenrepetition, ewigen Kalender, Mondphase und Schleppzeiger-Chronograph in einem Gehäuse.

1992 verkaufte Piguet Blancpain und seine Werkefirma Frédéric Piguet an die SMH, die später zur Swatch Group wurde. Seit 2002 leitet Marc Hayek das Haus; 2010 wurde Frédéric Piguet in Blancpain eingegliedert. Die Hauptmanufaktur steht heute in Le Sentier, mehr als 700 Menschen arbeiten dort. In Le Brassus entstehen laut Blancpain die grossen Komplikationen der Villeret-Kollektion (Minutenrepetitionen, Tourbillons, aufwendige Kalender) sowie, in Dekor- und Gravurwerkstätten, einzelne, meist auf Bestellung gefertigte Stücke, etwa mit Emailmalerei.

Blancpain-Armbanduhr mit dunklem Zifferblatt, Zusatzzifferblättern für Wochentag, Monat und Datum, Mondphase und Chronographen-Drückern
Blancpain-Chronograph mit ewigem Kalender und Mondphase (Aufnahme von 2007) · Bild: Rama, CC BY-SA 2.0 fr

Meilensteine

  1. 1735 Jehan-Jacques Blancpain wird in Villeret als Uhrmacher geführt – laut Blancpain das Gründungsjahr.
  2. 1815 Frédéric-Louis Blancpain baut die Werkstatt zu einem halbindustriellen Betrieb aus (um 1815).
  3. 1932 Frédéric-Emile Blancpain, der letzte Namensträger, stirbt; Betty Fiechter übernimmt das Haus.
  4. 1953 Die Fifty Fathoms erscheint, entwickelt mit französischen Kampfschwimmern.
  5. 1961 Laut Blancpain tritt das Haus der Gruppe SSIH bei, zu der auch Omega gehört.
  6. 1983 Nach dem Kauf der Marke 1982/83 führen Jacques Piguet und Jean-Claude Biver Blancpain als rein mechanische Marke neu.
  7. 1991 Die «1735 Grande Complication» erscheint in einer Serie von 30 Stück.
  8. 1992 Verkauf an die SMH, die spätere Swatch Group.
  9. 2002 Marc Hayek wird Präsident und Chef des Hauses.
  10. 2010 Die Werkefirma Frédéric Piguet wird in Blancpain eingegliedert.

Bilder von Blancpain

Roségoldene Blancpain Villeret mit weissem Zifferblatt, römischen Ziffern, Tages- und Monatsfenstern und Mondphase mit Gesicht
Blancpain Villeret Vollkalender mit Mondphase · Bild: Quang Viet Nguyen (Pexels), Pexels-Lizenz
Steinfassade der Blancpain-Boutique mit Schriftzug «Manufacture de Haute Horlogerie» und blauen Luftblasen-Dekorationen im Schaufenster
Blancpain-Boutique an der Fifth Avenue, New York, mit Fifty-Fathoms-Schaufenster · Bild: Ajay Suresh, CC BY 2.0

Ikonen von Blancpain

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Blancpain · 1953

Fifty Fathoms

Ein Beinahe-Unglück beim Tauchen und die Wünsche französischer Kampfschwimmer: Blancpain nennt die Fifty Fathoms die erste echte Taucheruhr – ob sie das war, ist umstritten, ihr Aufbau prägte aber viele spätere Taucheruhren.

Wichtige Modelle von Blancpain

  • Fifty Fathoms

    1953 · Taucheruhr

    Laut Marke die erste moderne Taucheruhr. Sie entstand zusammen mit den französischen Kampfschwimmern und bekam Leuchtzeiger auf dunklem Zifferblatt, eine drehbare Lünette zur Zeitmessung, ein Automatikwerk und ein Gehäuse gegen Magnetfelder. Der Name verweist auf 50 Faden, rund 91 Meter.

  • Villeret

    Klassische Kollektion

    Blancpains klassischste Kollektion, benannt nach dem Dorf im Berner Jura, in dem das Haus seine Wurzeln sieht. Sie reicht von der schlichten Dreizeigeruhr bis zur Minutenrepetition (die Uhr schlägt auf Knopfdruck die Zeit), zum Tourbillon, ewigen Kalender, chinesischen Kalender und zur Zeitgleichung (der Unterschied zwischen wahrer und mittlerer Sonnenzeit).

  • Ladybird

    1956 · Damenuhr

    1956 stellte Blancpain die Ladybird vor, laut Marke mit dem damals kleinsten Rundwerk. Heutige Ladybird-Uhren sind laut Marke keine verkleinerten Herrenmodelle, sondern eigens für Frauen entwickelt.

  • Air Command

    Fliegerchronograph

    Die Linie erinnert an die Militärfliegerei der 1950er-Jahre. Das Vorbild, laut Marke «der gesuchteste Militärchronograph seiner Zeit», ging über den Händler Allen V. Tornek an amerikanische Piloten; vermutlich entstanden nur etwa ein Dutzend Prototypen. Die heutigen Modelle haben einen Flyback-Chronographen (Rückstellung auf null im Lauf) und eine Countdown-Lünette.

  • 1735 Grande Complication

    1991 · Grande Complication (Armbanduhr)

    1991 vorgestellt und in nur 30 Stück gebaut. Die Armbanduhr vereint Tourbillon, Minutenrepetition, ewigen Kalender und Schleppzeiger-Chronograph (der zwei Zeiten gleichzeitig stoppt).

  • Léman

    1994 · Dresswatch (nicht mehr im Programm)

    Schlichte Alltagsuhr mit 38 bis 40 Millimetern, wasserdicht bis 100 Meter. 2019 nahm Blancpain sie aus dem Katalog.

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