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Uhrenatlas

IWC Schaffhausen · seit 1939

Portugieser

Eine Sonderanfertigung für Portugal, die erst Jahrzehnte später zum Klassiker wurde: Die Portugieser verbindet ein grosses, schlichtes Zifferblatt mit Werken von der Taschenuhr bis zum ewigen Kalender.

Marke
IWC Schaffhausen
Erschienen
1939 als Sonderanfertigung (Referenz 325); als Serie neu seit 1993 (Referenz 5441)
Art
Grosse, schlichte Armbanduhr, ursprünglich mit Taschenuhrwerk
Referenz 325
rund 42 mm, Handaufzug, Taschenuhrwerk Kaliber 74, kleine Sekunde
Auflage Referenz 325
690 Stück zwischen 1939 und 1981 (laut IWC)
Erkennbar an
grossen arabischen Ziffern und blattförmigen Zeigern
Weisses Zifferblatt einer IWC Portugieser mit kleiner Sekunde, Gangreserveanzeige und Datum an einem Lederband in einer Vitrine
IWC Portugieser Automatic mit Gangreserveanzeige (Ausstellung Athina Fair, 2009) · Bild: Ferengi, CC BY-SA 3.0

Eine Bestellung aus Portugal

1939 baten zwei portugiesische Uhrenimporteure, Rodrigues und Teixeira, die Firma IWC in Schaffhausen um eine Armbanduhr, die so genau gehen sollte wie ein Schiffschronometer, also ein Präzisionsgerät für die Seefahrt. Armbanduhren waren damals klein: 36 Millimeter galten schon als gross. Die Portugieser dagegen mass rund 42 Millimeter.

IWC löste die Aufgabe mit einem Taschenuhrwerk, dem Kaliber 74, im grossen Armbandgehäuse. Das Werk wurde von Hand aufgezogen und hatte eine kleine Sekunde, also einen eigenen kleinen Zeiger für die Sekunden. Die Uhr bekam die Referenz 325.

Ein Verkaufserfolg war sie nicht. Von der Referenz 325 entstanden zwischen 1939 und 1981 laut IWC nur 690 Stück, davon gingen 141 nach Portugal. Die ersten Uhren gingen nach IWC-Unterlagen 1939 sogar an Händler in Osteuropa; nach Portugal wurden sie erst 1942 geliefert.

1993: Der Neubeginn

Zum 125-jährigen Bestehen legte IWC 1993 die Referenz 325 neu auf, als Portugieser Jubilee mit der Referenz 5441. Die Uhr folgte dem Original eng: 42 Millimeter Durchmesser, silbernes Zifferblatt, grosse arabische Ziffern, blattförmige Zeiger. Durch den Boden aus Saphirglas sah man das Handaufzugswerk, auf dem «1868–1993» eingraviert war.

Es entstanden 1'750 Stück: 1'000 in Stahl, 500 in Roségold und 250 in Platin. Die Nachfrage war schnell grösser als das Angebot.

Schon 1995 kamen zwei Komplikationen (Zusatzfunktionen) dazu: eine Minutenrepetition, die auf Wunsch die Zeit mit Tönen schlägt, und ein Chronograph mit Schleppzeiger, bei dem ein zweiter Zeiger zwei Zeiten gleichzeitig stoppen lässt. 1998 erschien die Portugieser Chronograph (Referenz 3714). Sie blieb über zwanzig Jahre im Programm und gilt als eine der erfolgreichsten Uhren der Marke.

Sieben Tage und ewiger Kalender

2000 folgte die Portugieser Automatic mit dem neu entwickelten Kaliber 5000. Das Werk zieht sich selbst auf und läuft voll aufgezogen rund sieben Tage; ein eigener Zeiger zeigt die verbleibende Laufzeit, die Gangreserve. Der Aufzug beruht auf dem Pellaton-System, das IWC seit den 1950er-Jahren nutzt und das jede kleine Bewegung des Rotors in beide Richtungen zum Aufziehen verwendet.

2003 erschien eine Portugieser mit ewigem Kalender, den der Uhrmacher Kurt Klaus entwickelt hatte. Er kennt Monatslängen und Schaltjahre, muss bis 2499 nicht korrigiert werden, und alle Anzeigen lassen sich über die Krone einstellen. Die Doppel-Mondphase zeigt den Mond für beide Erdhalbkugeln und weicht nach Angaben der Marke erst nach rund 577 Jahren um einen Tag ab.

2024 stellte IWC die Portugieser Eternal Calendar vor, den ersten säkularen ewigen Kalender der Marke. Ein neues Zahnrad für 400 Jahre sorgt dafür, dass die Uhr die Schaltjahr-Ausnahmen kennt: 2100 fällt der 29. Februar aus, ohne dass jemand eingreifen muss. Laut IWC rechnet die Uhr bis mindestens 3999 richtig. Im November 2024 erhielt sie in Genf den «Aiguille d'Or», den Hauptpreis des Grand Prix d'Horlogerie de Genève.

Woran man eine Portugieser erkennt

Die Gestaltung ist seit 1939 ähnlich geblieben: ein grosses, offenes Zifferblatt mit aufgesetzten arabischen Ziffern, blattförmigen Zeigern (nach dem französischen Wort «feuille» für Blatt «Feuille-Zeiger» genannt), kleiner Sekunde und schmaler Lünette. Bei vielen Modellen läuft die Minutenskala wie ein Bahngleis um das Zifferblatt.

Heute reicht die Familie von der schlichten Automatic mit 40 Millimetern (seit 2020) über Chronographen mit eigenem Werk bis zu Tourbillons – dabei dreht sich ein kleiner Käfig mit der Hemmung, um den Einfluss der Schwerkraft auszugleichen – und zu Kalenderuhren.

Gut zu wissen

  • Der Name «Portugieser» ist die deutsche Form von «Portuguese»; IWC verwendete lange die englische Schreibweise.
  • Die Referenznummer 325 stand anfangs nicht im Vordergrund: IWC führte die Uhr zuerst unter der Gehäusenummer «Mod. 228»; erst später sprach man von der Referenz 325.
  • Einige Portugieser mit Handaufzug, etwa die Vintage-Ausgabe von 2008, haben Werke, die auf dem alten Taschenuhrwerk Kaliber 98 beruhen.

Weitere Bilder der Portugieser

Schräge Nahaufnahme einer IWC Portugieser Chronograph mit weissem Zifferblatt, blauen Zeigern und arabischen Ziffern; die linke Bildseite ist bewusst unscharf.
IWC Portugieser Chronograph in der Nahaufnahme · Bild: Eric Kilby, CC BY-SA 2.0

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