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Uhrenatlas

Grosse Luxusmarken · seit 1868

IWC Schaffhausen

Eine Uhrenfabrik, die ein Amerikaner 1868 am Rhein gründete: IWC Schaffhausen wurde mit Pilotenuhren, der Portugieser und der Ingenieur bekannt und gehört heute zur Richemont-Gruppe.

Gegründet
1868 in Schaffhausen
Gründer
Florentine Ariosto Jones, amerikanischer Uhrmacher
Sitz
Schaffhausen
Gehört zu
Richemont (seit 2000)
Bekannt für
Pilotenuhren, Portugieser, Ingenieur, Da Vinci
Weisses Zifferblatt einer IWC Portugieser mit kleiner Sekunde, Gangreserveanzeige und Datum an einem Lederband in einer Vitrine
IWC Portugieser Automatic mit Gangreserveanzeige (Ausstellung Athina Fair, 2009) · Bild: Ferengi, CC BY-SA 3.0

Ein Amerikaner in Schaffhausen

1868 gründete der amerikanische Uhrmacher Florentine Ariosto Jones in Schaffhausen die International Watch Company. Er war zuvor Direktor bei E. Howard & Co. in Boston gewesen. Sein Plan: die in den USA entwickelten industriellen Fertigungsmethoden mit dem Können Schweizer Uhrmacher verbinden und Taschenuhrwerke vor allem für den amerikanischen Markt bauen. Schaffhausen bot dafür unter anderem die Wasserkraft des Rheins.

Der erhoffte Erfolg blieb aus. Laut IWC kehrte Jones 1875 nach Amerika zurück; 1880 übernahm die Schaffhauser Familie Rauschenbach die Firma. Unter Johannes Rauschenbach-Schenk entstanden ab Mitte der 1880er-Jahre die Pallweber-Taschenuhren, die Stunden und Minuten als Ziffern statt mit Zeigern anzeigen. Bis Anfang der 1890er-Jahre baute IWC davon rund 20'000 Stück.

Historische Schwarz-Weiss-Luftaufnahme der Schaffhauser Altstadt mit der Uhrenfabrik IWC am Rheinufer
Die Uhrenfabrik IWC am Rhein in Schaffhausen, Luftaufnahme von Walter Mittelholzer (zwischen 1918 und 1937) · Bild: Walter Mittelholzer, gemeinfrei

Die Familie Homberger und die Pilotenuhren

1905 übernahm Ernst Jakob Homberger die Leitung, 1929 wurde er Alleininhaber. Unter ihm begann 1936 die Pilotenuhr-Tradition: Seine beiden Söhne, selbst Piloten, entwickelten die «Special Pilot's Watch». Laut IWC hatte sie ein antimagnetisches Werk, bruchsicheres Glas und war für den Einsatz von minus 40 bis plus 40 Grad ausgelegt. Um 1940 folgte die Big Pilot's Watch mit dem Kaliber 52 T.S.C. und 55 Millimetern Durchmesser; sie gilt als die grösste Armbanduhr, die IWC je gebaut hat.

1948 entstand auf Einladung der britischen Royal Air Force die Navigator's Wristwatch Mark 11 mit dem Kaliber 89. Ein Innengehäuse aus Weicheisen schützte das Werk laut IWC wie ein faradayscher Käfig vor Magnetfeldern. 2002 erschien die Big Pilot's Watch in ihrer modernen Form mit 46,2 Millimetern. 2007 kam mit der «Top Gun» eine Variante mit schwarzem Keramikgehäuse hinzu, benannt nach der Kampfpilotenschule der US Navy.

Grosse IWC Pilotenuhr mit dunklem Zifferblatt, Dreieck bei 12 Uhr und Gangreserveanzeige in einer Vitrine
IWC Big Pilot's Watch, Edition «Antoine de Saint-Exupéry» (Ausstellung Athina Fair, 2009) · Bild: Ferengi, CC BY-SA 3.0

Die Portugieser

1939 baten zwei portugiesische Importeure, Rodrigues und Teixeira, IWC um eine sehr grosse Armbanduhr mit besonders genauem Werk. IWC setzte dafür das Taschenuhrwerk Kaliber 74 ein, ein handaufgezogenes Werk mit kleiner Sekunde. Die ersten Uhren der Referenz 325 gingen erst 1942 nach Lissabon. Laut IWC entstanden zwischen 1939 und 1981 insgesamt 690 Stück.

Aus der Sonderanfertigung wurde eine eigene Uhrenfamilie. 2003 erschien eine Portugieser mit ewigem Kalender (kennt Monatslängen und Schaltjahre) und Doppel-Mondphase für beide Hemisphären. 2024 gewann die Portugieser Eternal Calendar den Preis «Aiguille d'Or».

Ingenieur und Gérald Genta

1955 stellte IWC die erste Ingenieur vor, eine zivile, antimagnetische Armbanduhr. Ein Innengehäuse aus Weicheisen hielt Magnetfelder bis 1'000 Gauss vom Werk fern; im Inneren arbeitete laut IWC das Kaliber 85.

1976 gestaltete der Designer Gérald Genta die Ingenieur neu: die Ingenieur SL mit der Referenz 1832. Sie verkaufte sich zunächst schlecht und wurde nur in kleiner Stückzahl gebaut. Später entdeckten Sammler sie wieder; heute gilt sie als eines der gefragtesten Modelle der Marke.

Werkstoffe, Besitzer und Jubiläum

1978 übernahm die VDO Adolf Schindling AG die Mehrheit an IWC. Mit Günter Blümlein kam ein Mann ins Haus, der die Entwicklung mechanischer Werke förderte. Laut IWC entstand 1980 die erste Titan-Armbanduhr der Marke. 1985 stellte IWC in Basel die Da Vinci mit ewigem Kalender vor, und 1986 folgte die erste Uhr mit schwarzem Keramikgehäuse aus Zirkoniumoxid. Der Name Da Vinci reicht bis 1969 zurück, damals noch mit dem Quarzwerk Beta 21.

Blümlein gründete 1991 die LMH-Gruppe, zu der auch IWC gehörte. 2000 übernahm Richemont diese Gruppe. 2018, zum 150-jährigen Bestehen, eröffnete IWC in Schaffhausen ein Manufakturzentrum.

Meilensteine

  1. 1868 Der Amerikaner Florentine Ariosto Jones gründet in Schaffhausen die International Watch Company.
  2. 1880 Die Schaffhauser Familie Rauschenbach übernimmt die Firma.
  3. 1905 Ernst Jakob Homberger übernimmt die Leitung.
  4. 1936 Die «Special Pilot's Watch» begründet die Pilotenuhr-Tradition.
  5. 1939 Die Portugieser entsteht auf Wunsch zweier portugiesischer Importeure.
  6. 1948 Die Mark 11 entsteht für die britische Royal Air Force.
  7. 1955 Die erste Ingenieur erscheint, eine antimagnetische Uhr mit Weicheisen-Innengehäuse.
  8. 1976 Gérald Genta gestaltet die Ingenieur SL (Ref. 1832).
  9. 1985 Die Da Vinci mit ewigem Kalender wird in Basel vorgestellt.
  10. 2000 Richemont übernimmt die LMH-Gruppe und damit IWC.

Ikonen von IWC Schaffhausen

Weisses Zifferblatt einer IWC Portugieser mit kleiner Sekunde, Gangreserveanzeige und Datum an einem Lederband in einer Vitrine

IWC Schaffhausen · 1939

Portugieser

Eine Sonderanfertigung für Portugal, die erst Jahrzehnte später zum Klassiker wurde: Die Portugieser verbindet ein grosses, schlichtes Zifferblatt mit Werken von der Taschenuhr bis zum ewigen Kalender.

Wichtige Modelle von IWC Schaffhausen

  • Portugieser

    1939 · Grosse Eleganzuhr (Dresswatch)

    Entstanden, weil zwei portugiesische Importeure 1939 eine sehr grosse Armbanduhr mit besonders genauem Werk bestellten. IWC baute dafür ein Taschenuhrwerk in ein 42-Millimeter-Gehäuse, die Referenz 325; die ersten Stücke gingen 1942 nach Lissabon. 2003 erschien eine Portugieser mit ewigem Kalender und Doppel-Mondphase für beide Erdhalbkugeln.

  • Fliegeruhren (Pilot's Watches)

    1936 · Fliegeruhr

    Die Pilotenuhr-Tradition des Hauses begann 1936 mit der Special Pilot's Watch (Referenz IW436): ein antimagnetisches Werk, ein bruchsicheres Glas und ein Einsatzbereich von minus 40 bis plus 40 Grad.

  • Big Pilot's Watch

    1940 · Fliegeruhr

    Die Ur-Version um 1940 mit dem Kaliber 52 T.S.C. hatte 55 Millimeter Durchmesser und wog 183 Gramm; laut IWC ist sie die grösste Armbanduhr, die das Haus je gebaut hat. 2002 kehrte die Big Pilot's Watch in einer modernen Form mit 46,2 Millimetern zurück.

  • Mark 11 (Navigator's Wristwatch)

    1948 · Fliegeruhr

    Für die britische Royal Air Force entwickelt und mit dem Kaliber 89 ausgestattet. Ein Innengehäuse aus Weicheisen schützt das Werk vor Magnetfeldern, und das Glas bleibt auch bei plötzlichem Druckabfall in der Kabine sitzen.

  • Ingenieur

    1955 · Antimagnetische Uhr

    Die erste Ingenieur von 1955 hatte ein Innengehäuse aus Weicheisen, das das Werk bis 1'000 Gauss gegen Magnetfelder abschirmte. Berühmt wurde die Neufassung von Gérald Genta von 1976 (Referenz 1832) mit fliessend integriertem Armband: Sie verkaufte sich zunächst schlecht, wurde aber später zu einem der gefragtesten Modelle der Marke.

  • Da Vinci

    1969 · Elegante Uhrenlinie

    Die erste Da Vinci von 1969 steckte in einem sechseckigen Goldgehäuse und lief mit dem Werk Beta 21. 1985 stellte IWC in Basel eine Da Vinci mit mechanischem ewigem Kalender vor, entwickelt vom Chefuhrmacher Kurt Klaus.

  • Aquatimer

    1967 · Taucheruhr

    1967 vorgestellt, wasserdicht bis 200 Meter und mit einer drehbaren Innenlünette, auf der sich die Tauchzeit einstellen lässt.

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IWC. Engineering Time since 1868

Manfred Fritz, Paulo Coelho, Enki Bilal (Illustrationen) · 2010 · Deutsch · 536 Seiten

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