Zum Inhalt springen
Uhrenatlas

Spitzenhäuser · seit 1999

F.P. Journe

Eine junge Marke mit dem Ruf eines alten Hauses: F.P. Journe entstand 1999 aus dem Atelier eines einzelnen Uhrmachers. Der Name steht heute für selbst entwickelte Werke, die Résonance-Uhren und drei Aiguille-d'Or-Preise: So oft hat von 2001 bis 2025 kein anderes Haus den Hauptpreis des Grand Prix d'Horlogerie de Genève gewonnen.

Gegründet
1999 in Genf (Montres Journe SA)
Gründer
François-Paul Journe, geboren 1957 in Marseille
Sitz
Genf
Gehört zu
Unabhängig; Gründer und Investoren, Chanel hält seit 2018 20 Prozent
Bekannt für
Chronomètre à Résonance, Tourbillon Souverain, Octa, Sonnerie Souveraine
Armbanduhr von F.P. Journe mit grauem Zifferblatt, bogenförmiger Datumsanzeige, Fenstern für Wochentag und Monat, versetztem Hilfszifferblatt für Stunden und Minuten und dem Schriftzug «Invenit et Fecit»
F.P. Journe Octa mit Kalenderanzeige: Datumsbogen, Wochentag und Monat (Aufnahme von 2007) · Bild: Rama, CC BY-SA 2.0 fr

Ein Uhrmacher aus Marseille, gelernt in Paris

François-Paul Journe wurde 1957 in Marseille geboren. Mit 14 kam er auf ein technisches Kolleg, 1976 schloss er die Uhrmacherschule in Paris ab. Seine erste Stelle fand er in der Pariser Werkstatt seines Onkels, die Antiquitäten restaurierte. 1982 begann er, in Nächten und an Wochenenden eine Taschenuhr mit Tourbillon zu bauen, einem drehenden Käfig, der Schwerkraftfehler ausgleichen soll.

Später arbeitete er in einem eigenen Atelier an der Rue de Verneuil in Paris, wo er Taschenuhren auf Bestellung baute, eine oder zwei im Jahr. Daneben fertigte er Werke für grosse Schweizer Marken, bis zur Gründung seiner eigenen Marke rund 40 bis 50.

1999: «Invenit et Fecit»

1999 gründete Journe in Genf die Montres Journe SA. Die Uhren tragen den lateinischen Schriftzug «Invenit et Fecit» – «Er hat es erfunden und gemacht». Das Motto soll zeigen, dass das Haus seine Werke selbst entwirft und baut, statt Basiswerke von Zulieferern wie ETA oder Unitas zu verwenden. Journe gehört ausserdem der AHCI an, einer Vereinigung unabhängiger Uhrmacher und Kreativer, und das Unternehmen unterstützt deren Nachwuchsprogramm.

Für den Start finanzierte er sich im Voraus: Wie schon Breguet es mit seinen Subskriptionsuhren getan hatte, bot er einem engen Kreis die erste Serie vorab an. Es entstanden 20 Tourbillon-Armbanduhren mit Remontoir d'égalité – einem Zusatzmechanismus, der dem Werk unabhängig vom Aufzugsstand gleichmässig Kraft liefert. Auf Auktionen gelten die «Souscription»-Uhren von 1999 heute als besonders gesucht.

Résonance: zwei Hemmungen im Gleichtakt

Journes bekannteste Erfindung ist das Chronomètre à Résonance von 2000; es gilt als die erste Armbanduhr mit zwei Hemmungen, die sich gegenseitig beeinflussen. Die Hemmung ist das Bauteil, das den Takt des Werks vorgibt; hier sitzen zwei voneinander unabhängige dicht nebeneinander und gleichen ihren Takt aneinander an. Dadurch soll das Paar widerstandsfähiger gegen Störungen sein als eine einzelne Hemmung. 2010 erhielt das Chronomètre à Résonance beim Grand Prix d'Horlogerie de Genève den Preis in der Kategorie «Komplizierte Uhr».

Der Grand Prix d'Horlogerie de Genève gilt als einer der wichtigsten Preise der Branche. Journe erhielt 2002 den Sonderpreis der Jury für die Octa Calendrier und 2003 den Preis für die beste Herrenuhr mit der Octa Lune. Den Hauptpreis, die Aiguille d'Or, gewann er 2004 mit dem Tourbillon Souverain à seconde morte, 2006 mit der Sonnerie Souveraine und 2008 mit dem Centigraphe Souverain. Von 2001 bis 2025 hat damit nur er die Aiguille d'Or dreimal gewonnen; Patek Philippe etwa gewann sie in dieser Zeit zweimal.

Eine Manufaktur in Genf – und ein Anteil von Chanel

Die Manufaktur sitzt in Genf in einem umgebauten Fabrikgebäude, in dem früher Gaslampen hergestellt wurden. In Meyrin gehören dem Haus zwei Schwesterfirmen, die Gehäuse und Zifferblätter fertigen: Les Boîtiers de Genève und Les Cadraniers de Genève. Bei vielen Modellen bestehen Platinen und Brücken (die tragenden Teile des Werks) aus massivem 18-karätigem Roségold, so beim Chronomètre Souverain. Die Produktion liegt bei höchstens rund 900 Uhren im Jahr (Stand 2018).

Im September 2018 wurde bekannt, dass die französische Luxusmarke Chanel 20 Prozent der Montres Journe SA übernommen hat. Zu den bisherigen Aktionären zählen unter anderem ein belgischer Uhrenhändler und ein Schweizer Immobilienunternehmer. Journe sagte damals, für die Marke ändere sich nichts, und er bleibe weiterhin der kreative Kopf.

Meilensteine

  1. 1976 François-Paul Journe schliesst die Uhrmacherschule in Paris ab.
  2. 1982 Journe beginnt in Paris seine erste Taschenuhr mit Tourbillon.
  3. 1999 Gründung der Montres Journe SA in Genf; die ersten 20 Subskriptions-Tourbillons entstehen.
  4. 2000 Das Chronomètre à Résonance erscheint; es gilt als erste Armbanduhr mit zwei Hemmungen, die sich im Gleichtakt halten.
  5. 2002 Sonderpreis der Jury beim Grand Prix d'Horlogerie de Genève für die Octa Calendrier.
  6. 2004 Erste Aiguille d'Or mit dem Tourbillon Souverain à seconde morte.
  7. 2006 Zweite Aiguille d'Or für die Sonnerie Souveraine.
  8. 2008 Dritte Aiguille d'Or für den Centigraphe Souverain.
  9. 2010 Das Chronomètre à Résonance gewinnt den Preis «Komplizierte Uhr».
  10. 2018 Chanel übernimmt 20 Prozent der Montres Journe SA.

Wichtige Modelle von F.P. Journe

  • Tourbillon Souverain

    1999 · Tourbillon-Armbanduhr

    Die erste Uhr der Marke: 1999 als Subskriptionsstück (im Voraus bestellt) in nur 20 Exemplaren gebaut, heute in Roségold oder Platin mit 42 Millimetern. Schon die erste Serie hatte ein Tourbillon (einen drehenden Käfig, der Lagefehler ausgleichen soll) mit Remontoir d'égalité, einem Zusatzmechanismus für gleichmässige Kraft; die Variante «à seconde morte» gewann 2004 die Aiguille d'Or.

  • Chronomètre à Résonance

    2000 · Grande Complication mit zwei Hemmungen

    Zwei voneinander unabhängige Hemmungen (die Bauteile, die den Takt vorgeben) sitzen dicht nebeneinander und gleichen ihren Takt aneinander an; so soll das Paar störungsresistenter sein als eine einzelne Hemmung. 2000 war es laut Phillips die erste Armbanduhr mit zwei solchen Hemmungen; 2010 gewann sie den Preis «Komplizierte Uhr».

  • Octa

    2001 · Linie mit Automatikwerk

    Mit der Octa-Linie brachte Journe 2001 sein erstes Automatikwerk. Die Octa Calendrier erhielt 2002 den Sonderpreis der Jury des Grand Prix d'Horlogerie de Genève, die Octa Lune 2003 den Preis für die beste Herrenuhr.

  • Chronomètre Souverain

    2005 · Zeitmesser mit Handaufzug

    Eine Handaufzugsuhr mit 40 Millimetern und rund 56 Stunden Gangreserve, deren Werk sich an Schiffschronometern orientiert. Platine und Brücken bestehen aus Roségold, zwei parallele Federhäuser sorgen für gleichmässigen Antrieb; sie gilt als Einstiegsmodell der Marke.

  • Sonnerie Souveraine

    Grande Complication (Schlagwerk)

    Eine Uhr mit Grande und Petite Sonnerie, also einem Schlagwerk. Sie gewann 2006 die Aiguille d'Or des Grand Prix d'Horlogerie de Genève und brachte der Marke zehn Patente.

  • Chronomètre Bleu

    Zeitmesser mit Tantal-Gehäuse

    Eine Uhr mit blauem Zifferblatt, Gehäuse aus Tantal und massiven Brücken aus 18-karätigem Roségold. Mit diesem Modell setzte Journe erstmals Tantal ein.

  • Linesport

    2011 · Sportlinie

    Die Sportlinie debütierte 2011 mit dem Centigraphe, einem Chronographen, der Hundertstelsekunden misst. Hier verwendete Journe erstmals Titan und Aluminium.

  • Élégante

    2014 · Damenuhr

    Die erste Damenlinie der Marke, 2014 vorgestellt. Ihr elektromechanisches Werk schaltet laut einer Quelle nach 30 Minuten ohne Bewegung in einen Ruhemodus.

Teste dein Wissen

Quiz: Was weisst du über F.P. Journe?

Mehr Fragen gibt es im grossen Quiz.