Zenith · seit 1969
El Primero
Ein Werk, das zur Legende wurde: Der El Primero stoppt Zehntelsekunden und gehört zu den ersten automatischen Chronographen. Beinahe wäre er vergessen worden – bis Rolex ihn für die Daytona wollte.
- Marke
- Zenith
- Erschienen
- 1969 (Werk 3019 PHC; frühe Uhr: Referenz A386)
- Art
- Automatik-Chronograph mit integriertem Werk und Schaltrad
- Frequenz
- 36'000 Halbschwingungen pro Stunde (5 Hertz)
- Stoppt auf
- eine Zehntelsekunde genau
- Gangreserve
- rund 50 Stunden (1969); 60 Stunden im heutigen Kaliber 3600

Was ist ein automatischer Chronograph?
Ein Chronograph ist eine Armbanduhr mit eingebauter Stoppuhr. Ein Drücker startet und stoppt einen zusätzlichen Zeiger, ein zweiter Drücker stellt ihn wieder auf null. Kleine Hilfszifferblätter zählen die gestoppten Minuten und Stunden.
«Automatisch» heisst: Die Uhr zieht sich durch die Bewegungen des Handgelenks von selbst auf, über einen Rotor, ein Gewicht, das sich im Werk dreht. Beides in einem kleinen Werk zu vereinen, ist anspruchsvoll. Die Omega Speedmaster etwa wird bis heute von Hand aufgezogen. Als Prototyp gab es einen automatischen Chronographen schon 1946; 1969 begann das Rennen um die ersten Serienwerke, und der El Primero war eines davon.
36'000 Halbschwingungen: Was heisst das?
Den Takt einer mechanischen Uhr gibt die Unruh vor, ein kleines Rädchen, das hin und her schwingt. Jede Bewegung in eine Richtung zählt als Halbschwingung. Der El Primero kommt auf 36'000 pro Stunde, also zehn pro Sekunde. Das entspricht 5 Hertz. Damals war das sehr schnell: Seikos Kaliber 6139 schaffte 21'600, das Kaliber 11 des Konsortiums 19'800. Heute üblich sind 28'800 (4 Hertz).
Der Vorteil zeigt sich beim Stoppen: Der Chronographenzeiger kann Zehntelsekunden messen. Damit das bei dem hohen Tempo zuverlässig läuft, musste Zenith unter anderem die Hemmung, das Bauteil, das die Räder im Takt der Unruh freigibt, und die Schmierung neu lösen. Laut Zenith ist der El Primero der erste automatische Hochfrequenz-Chronograph. Ausserdem ist das Werk «integriert»: Der Chronograph ist fest eingebaut und wird von einem Schaltrad (Säulenrad) gesteuert, nicht als Modul aufgesetzt.

1969: Ein Rennen mit mehreren Siegern
Zenith plante schon Anfang der 1960er-Jahre einen automatischen Chronographen, der zum 100-Jahr-Jubiläum 1965 fertig sein sollte. Er verspätete sich. Am 10. Januar 1969 stellte das Haus das Werk vor, das intern 3019 PHC hiess und den Namen «El Primero» («der Erste») erhielt.
Wer 1969 «zuerst» war, hängt davon ab, was man zählt. Zenith zeigte sein Werk nach gängiger Darstellung als Erstes öffentlich. Am 3. März folgte ein Konsortium aus Heuer-Leonidas, Breitling, Hamilton-Büren und Dubois Dépraz mit dem Kaliber 11 («Chronomatic»); Heuer heisst heute TAG Heuer. Dazu kam Seiko mit dem Kaliber 6139. In den Handel kamen die Konkurrenten allerdings früher: Seiko im Mai in Japan, das Konsortium ab August, der El Primero erst im Herbst. Dafür lief er mit Abstand am schnellsten.
Zu den ersten Uhren mit dem Werk gehört die A386: ein rundes Stahlgehäuse mit Tachymeter-Skala und drei Hilfszifferblättern in unterschiedlichen Farbtönen. Diese «Tricolor»-Anordnung ist laut Zenith bis heute ein Erkennungszeichen seiner Chronographen.
Gerettet auf dem Dachboden
In den 1970er-Jahren verdrängten Quarzuhren die mechanischen. Zenith gehörte seit Anfang des Jahrzehnts zur amerikanischen Zenith Radio Corporation, die die mechanische Fertigung in Le Locle ab Mitte der 1970er-Jahre zurückfuhr; die Werkzeuge sollten verkauft werden. Der Werkstattleiter Charles Vermot versteckte der Überlieferung nach Pressen, Werkzeuge und Pläne des El Primero auf einem Dachboden und rettete sie so.
Anfang der 1980er-Jahre suchte Rolex ein automatisches Chronographenwerk für die Daytona. 1984 lief die Fertigung bei Zenith wieder an. Rolex liess das Werk stark abändern und mit 28'800 statt 36'000 Halbschwingungen laufen; von 1988 bis 2000 tickte es in der Daytona.
Heute steckt der El Primero vor allem in der Chronomaster. Das Kaliber 3600, zum 50-Jahr-Jubiläum 2019 vorgestellt, hat 60 Stunden Gangreserve. Die Chronomaster Original mit 38 mm Durchmesser ist laut Zenith direkt vom A386 von 1969 inspiriert.

Gut zu wissen
- Eine Halbschwingung ist eine einzelne Hin- oder Herbewegung der Unruh. 36'000 pro Stunde sind zehn pro Sekunde, also 5 Hertz.
- Die Defy mit dem Werk El Primero 21 (seit 2017) misst laut Zenith sogar Hundertstelsekunden. Dafür hat sie ein zweites, noch schnelleres Schwingsystem mit 50 Hertz.
Weitere Bilder der El Primero

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Stand: 26.10.2026
Quellen
- Zenith Pressroom: Chronomaster Original Paris Edition (offizielle Seite)
- Zenith Pressroom: Original, Iconic – the spirit of El Primero (offizielle Seite)
- Monochrome: In-Depth – The History of the Zenith El Primero
- Time and Watches: The History of Zenith El Primero
- Zenith (Uhrenmanufaktur) – Wikipedia (deutsch)
- Chronograph (Uhr) – Wikipedia (deutsch)
- Zenith (watchmaker) – Wikipedia (englisch)