Komplikationen – die Zusatzfunktionen
Schlagwerke und Repetition
Eine Uhr mit Schlagwerk lässt die Zeit hören: Bei der Minutenrepetition auf Knopfdruck, bei der Sonnerie ganz von selbst. Winzige Hämmerchen schlagen dabei auf gebogene Stahldrähte, die Tonfedern.

Die Zeit hören statt sehen
Eine Repetitionsuhr verrät die Uhrzeit auf Wunsch mit Klängen. Das war früher nützlich: Bei Kerzenlicht oder im Dunkeln konnte man die Zeit erfahren, ohne die Uhr zu sehen. Die Erfindung geht auf den Engländer Edward Barlow zurück, der 1676 eine Repetitionsuhr erfand. 1687 wurde ein Patentstreit um die Repetitions-Taschenuhr zugunsten von Daniel Quare entschieden.
Die Minutenrepetition schlägt die Zeit in drei Stufen: tiefe Töne für die Stunden, Doppeltöne (tief-hoch) für die Viertelstunden und hohe Töne für die Minuten seit dem letzten Viertel. Beispiel 7:43: sieben tiefe Töne, zwei Doppeltöne (für die 30 Minuten) und dreizehn hohe Töne (für die 13 Minuten danach).
Wie die Zeit zu Tönen wird
Ausgelöst wird die Repetition von einem Schieber am Gehäuserand oder einem Drücker. Wer ihn bewegt, spannt eine eigene kleine Feder, die allein das Schlagen antreibt. Das Schlagwerk bezieht seine Kraft also nicht aus dem laufenden Uhrwerk.
Dann lesen drei Schnecken die aktuelle Zeit ab. Das sind treppenförmige Scheiben für die Stunden (1 bis 12), die Viertel (0 bis 3) und die Minuten (0 bis 14 nach dem letzten Viertel), die sich mit den Zeigern drehen. Beim Auslösen fallen gezahnte Hebel, die Rechen, auf die Schnecken. Je nach Höhe der Stufe, auf der ein Rechen landet, werden mehr oder weniger Zähne abgezählt und damit die richtige Zahl von Schlägen ausgelöst.
Gespielt wird die Zeit von zwei federnd gelagerten Hämmerchen auf zwei Tonfedern, auch Gongs genannt: dünne, gehärtete Stahldrähte, die um das Werk herum gebogen sind. Wie beim Klavier schlägt ein Hämmerchen auf eine gespannte «Saite». Das Gehäuse wirkt dabei als Resonanzkörper. Ein kleiner Regler, bei älteren Uhren ein Fliehkraftregler, sorgt dafür, dass die Schläge in gleichmässigem Tempo kommen. Ohne ihn würden sie als ungleichmässige Folge von Schlägen ablaufen.
Grande und Petite Sonnerie
Während die Repetition nur auf Knopfdruck klingt, schlägt eine Sonnerie von selbst. Bei der Grande Sonnerie ertönen zu jeder Viertelstunde zuerst die Stunden und dann die Viertel, zur vollen Stunde nur die Stunden. Bei der Petite Sonnerie gibt es zu den Viertelstunden nur die Viertel und zur vollen Stunde die Stunden. Um 10:45 schlägt die Grande Sonnerie zehn Stundenschläge und dann drei Viertelschläge, die Petite Sonnerie nur die drei Viertelschläge.
Das kostet viel Energie. Deshalb hat eine Grande Sonnerie oft ein eigenes Federhaus für das Schlagwerk (siehe Federhaus und Gangreserve). Viele Modelle lassen sich umschalten: von Grande auf Petite Sonnerie oder ganz auf stumm. Manche können zusätzlich auf Wunsch die Minutenrepetition schlagen. Die Begriffe werden nicht von allen Marken einheitlich verwendet; massgebend ist, was die Beschreibung der einzelnen Uhr sagt.
Eine Sicherung und eine Schwäche
Um 1820 erfand Abraham-Louis Breguet eine Alles-oder-nichts-Sicherung: Wer den Schieber nicht ganz spannt, hört keinen halben Schlag, sondern gar nichts. Ein teilweise gespannter Schieber kann so keine falsche Zeit anzeigen.
Schlagwerke sind empfindlich. Bei Patek Philippe sind Repetitionsuhren laut Hersteller deshalb nicht wasserdicht, während andere Uhren der Marke bis 30 Meter garantiert sind.
Gut zu wissen
- Das Maximum bei der Minutenrepetition liegt um 12:59: 12 tiefe Töne, 3 Doppeltöne und 14 hohe Töne.
- Repetition heisst «schlägt auf Wunsch», Sonnerie heisst «schlägt von selbst». Die Sonnerie braucht deshalb deutlich mehr Energie.
- Bei Patek Philippe sind Repetitionsuhren laut Hersteller nicht wasserdicht.
- Wenn der Schieber nicht ganz durchgezogen ist, bleibt die Uhr dank der Sicherung stumm, statt einen falschen Teilschlag zu geben.
Stand: 26.10.2026