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Uhrenatlas

Komplikationen – die Zusatzfunktionen

GMT und Weltzeit

Eine GMT-Uhr zeigt mit einem zusätzlichen 24-Stunden-Zeiger eine zweite Zeitzone, die Weltzeituhr alle 24 Zeitzonen gleichzeitig. Beides hilft, mehrere Zeitzonen im Blick zu behalten.

Zifferblatt einer Patek Philippe World Time in Roségold mit farbiger Weltkarte und den Städtenamen der Zeitzonen
Patek Philippe World Time (Ref. 5131R) in Roségold · Bild: Scu16M, CC BY-SA 3.0

Zeit auf dem Globus

Die Erde dreht sich einmal in 24 Stunden um sich selbst, und pro 15 Längengrade verschiebt sich die Uhrzeit um eine Stunde. Damit alle von demselben Nullpunkt aus zählen, einigte man sich im Oktober 1884 an der Internationalen Meridiankonferenz in Washington auf den Meridian durch die Sternwarte Greenwich bei London als Ausgangspunkt für die Längengrade. Die dortige Ortszeit heisst Greenwich Mean Time, abgekürzt GMT.

Offiziell hat seit 1972 die Koordinierte Weltzeit UTC die Rolle der GMT als internationaler Zeitstandard übernommen. Im Alltag verwendet man beide Namen oft gleichbedeutend. Auf der Uhr steht «GMT» heute schlicht für «zweite Zeitzone».

Die GMT-Funktion im SchemaBewegtes Schema: Der Stundenzeiger dreht sich zweimal pro Tag, der GMT-Zeiger mit Pfeilspitze einmal pro Tag und zeigt auf dem 24-Stunden-Ring eine zweite Zeitzone. Stark beschleunigt.24246810121416182022Schwarzer Stundenzeiger:Ortszeit, zweimal am Tag rundumRoter GMT-Zeiger:zweite Zeitzone, einmal am Tag rundum,abzulesen auf dem 24-Stunden-Ring
GMT-Uhr mit zweiter Zeitzone – stark beschleunigt. Eigene Grafik des Uhrenatlas.

Der 24-Stunden-Zeiger

Eine GMT-Uhr hat die üblichen Zeiger für die Ortszeit und einen vierten, oft pfeilförmigen Zeiger. Er braucht für eine Runde um das Zifferblatt 24 Stunden, ist also halb so schnell wie der Stundenzeiger. Gelesen wird er an einer 24-Stunden-Skala, auf dem Zifferblatt oder auf einer drehbaren Lünette. Steht er auf der Heimatzeit, sieht man mit einem Blick zwei Zeiten. Eine drehbare 24-Stunden-Lünette erlaubt zusätzlich eine dritte Zone.

Warum 24 und nicht 12 Stunden? Auf einem 12-Stunden-Zifferblatt lassen sich 3 Uhr nachts und 3 Uhr nachmittags nicht unterscheiden. Viele GMT-Lünetten sind deshalb zweifarbig, mit je einer Farbe für Tag- und Nachtstunden.

Das Prinzip kam in den 1950er-Jahren auf: Glycine zeigte 1953 die Airman mit 24-Stunden-Lünette, Rolex brachte 1954 die GMT-Master auf den Markt, entwickelt gemeinsam mit der Fluggesellschaft Pan Am für ihre Piloten.

Zwei Bauarten: Büro-GMT und echte GMT

Bei der einfachen, oft «Office» oder «Caller» genannten GMT lässt sich der 24-Stunden-Zeiger einzeln verstellen, während Stunden- und Minutenzeiger die Ortszeit zeigen. Das passt zu jemandem, der selten verreist oder die Zeit eines Geschäftspartners im Blick haben will.

Bei der echten GMT (englisch «True GMT») ist es umgekehrt: Der Stundenzeiger der Ortszeit lässt sich in Einstundenschritten einzeln verstellen, während der 24-Stunden-Zeiger mit der Heimatzeit weiterläuft. Wer oft die Zeitzone wechselt, passt so die Ortszeit an, ohne die Uhr anzuhalten. Die ersten GMT-Master von Rolex hatten diese Einzelverstellung noch nicht, beim Zonenwechsel musste man die Zeiger neu stellen. Später kam eine Version mit einzeln verstellbarem Stundenzeiger.

Die Weltzeituhr

Eine Weltzeituhr zeigt die Zeit in allen 24 Zeitzonen gleichzeitig. Im Zentrum läuft die Ortszeit mit Stunden- und Minutenzeiger. Drumherum liegen zwei Ringe: ein 24-Stunden-Ring, der sich einmal pro Tag dreht und Tag und Nacht anzeigt, und ein Ring mit den Namen von Städten, je eine Stadt pro Zeitzone. Stellt man die Heimatstadt richtig ein, liest man an den Städtenamen ab, wie spät es überall ist.

Man kann es sich wie eine Weltkarte vorstellen, über die der Tag wie die Sonne wandert: Auf einen Blick sieht man, wo es gerade hell und wo es dunkel ist.

Bei neueren Modellen wie der Patek Philippe Referenz 5110 wechselt man die Ortszeit mit einem Drücker: Jeder Druck schaltet den Stundenzeiger um eine Stunde weiter und rückt die Ringe einen Schritt mit, ohne die Minuten zu stören.

Louis Cottier und die Genfer Tradition

Die Weltzeituhr mit Städtering geht auf den unabhängigen Genfer Uhrmacher Louis Cottier zurück. Je nach Quelle schuf er 1931 oder 1935 ein Werk, das die Zeit in den 24 Zonen anzeigt. Seine ursprüngliche Idee war eine drehbare Lünette mit den Namen der grossen Städte.

Patek Philippe baute ab 1937 Weltzeituhren mit seinem Mechanismus, auch Vacheron Constantin und Rolex bestellten Werke bei Cottier. Er starb 1966 in Carouge bei Genf und hatte 455 verschiedene Werke entworfen und gebaut.

Gut zu wissen

  • Der 24-Stunden-Zeiger dreht sich in 24 Stunden einmal, der normale Stundenzeiger zweimal.
  • Mit Sommerzeit und Zonen mit halbstündigem Versatz, etwa in Asien, gibt es mehr als 24 Zonen. Ein einfacher Städtering mit 24 Einträgen bildet das nicht vollständig ab.
  • Die GMT-Funktion entstand für Piloten: Die Fluggesellschaft Pan Am wünschte sich eine Uhr, die Ortszeit und Greenwich-Zeit zugleich zeigt.

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Quiz: GMT und Weltzeit

Mehr Fragen gibt es im grossen Quiz.