Qualität und Begriffe
Die Taucheruhr
Eine echte Taucheruhr erfüllt die Norm ISO 6425: Sie hält einen Prüfdruck weit über der Angabe aus, zeigt die Tauchzeit gesichert an und ist im Dunkeln ablesbar. Die Meterangabe auf normalen Uhren ist dagegen kein Tauchtiefenversprechen.

Wasserdicht ist nicht gleich tauchtauglich
Auf vielen Uhren steht «30 m», «50 m» oder «100 m». Das klingt nach Tauchtiefe, ist aber keine. Die Zahl bezeichnet einen Prüfdruck: Ein Muster neuer Uhren wird im Labor einem Wasserdruck ausgesetzt, der dieser Wassertiefe entspricht (10 Meter Wasser sind rund 1 bar). Es ist eine einmalige, ruhende Prüfung und keine Zusicherung, dass die Uhr in dieser Tiefe dauerhaft taugt.
Als grobe Faustregel gilt: Bei 30 m (3 bar) ist die Uhr gegen Spritzer und Regen geschützt, aber nicht zum Duschen oder Schwimmen gedacht. Bei 50 m (5 bar) kommen Duschen und flaches Schwimmen dazu. Bei 100 m (10 bar) sind Schwimmen, Schnorcheln und Wassersport in Ordnung. Zum Tauchen mit Pressluftgerät reicht das noch nicht, dafür braucht es eine Taucheruhr nach Norm.
Was die Norm ISO 6425 verlangt
Die internationale Norm ISO 6425 beschreibt, was eine echte Taucheruhr leisten muss. Sie gilt für Uhren, die zum Tauchen in mindestens 100 m Wassertiefe gebaut sind und eine gesicherte Anzeige der Tauchzeit haben, die im Dunkeln sichtbar ist. Die heutige Fassung stammt von 2018. Die ISO prüft die Uhren nicht selbst, das übernehmen unabhängige Stellen.
Zu den Anforderungen gehören nach den gängigen Beschreibungen: Die Uhr wird mit 125 Prozent des angegebenen Drucks geprüft, eine «200 m»-Taucheruhr also bei dem Druck, der 250 m entspricht. Zeit und die Anzeige, dass die Uhr läuft, müssen im Dunkeln aus 25 cm Abstand erkennbar sein. Die Tauchzeit-Anzeige muss gegen versehentliches Verstellen gesichert sein und mindestens 60 Minuten anzeigen. Dazu kommen Prüfungen auf Stoss, Magnetfelder, Temperaturwechsel, Salzwasser und die Festigkeit des Armbands.
Der Aufschlag von 25 Prozent soll unter anderem das Altern der Dichtungen und Druckänderungen abfangen.
Die einseitig drehbare Lünette
Mit der drehbaren Lünette misst der Taucher seine Tauchzeit, ohne rechnen zu müssen. Vor dem Abtauchen stellt er die Nullmarke auf den Minutenzeiger. Später liest er am Minutenzeiger auf der Lünette ab, wie lange er schon unten ist. Die Lünette rastet ein und lässt sich nur gegen den Uhrzeigersinn drehen.
Das ist eine Sicherheitsfunktion. Rutscht die Lünette, liegt die Nullmarke früher als der wirkliche Start, und die Uhr zeigt eine zu lange Tauchzeit an statt einer zu kurzen. Der Taucher plant dann vorsichtiger, nicht zu optimistisch. Die Norm schreibt die einseitige Lünette allerdings nicht zwingend vor: Verlangt ist eine gesicherte Tauchzeit-Anzeige, die einseitig drehbare Lünette ist die übliche Lösung.
Für flache Tauchgänge mit Pressluft reicht eine solche Lünette als Grundausrüstung. Tiefere oder aufwendigere Tauchgänge brauchen andere Zeit- und Dekompressionshilfen. Die ersten modernen Taucheruhren kamen Anfang der 1950er-Jahre auf, darunter die Blancpain Fifty Fathoms und die Rolex Submariner; zu den Marken siehe Blancpain und Rolex.
Leuchtmasse: sehen im Dunkeln
Unter Wasser wird es dunkel, deshalb tragen Zeiger, Indexe und der Punkt auf der Lünette Leuchtmasse. Früher nahm man Radium, das gesundheitsgefährlich ist und bis Ende der 1960er-Jahre abgelöst wurde. Danach kam Tritium, ein schwach strahlendes Gas in winzigen Glasröhrchen mit Leuchtstoff, das von selbst leuchtet. In Schweizer Uhren war Tritium von 1960 bis 1998 in Gebrauch, danach wurde es verboten.
Heute nimmt man fast überall photolumineszierende Pigmente wie Super-LumiNova. Das Pigment, ein Strontiumaluminat, ist nicht radioaktiv und ungiftig. Es lädt sich mit Licht auf, wie ein kleiner Akku, und leuchtet danach stundenlang, wird aber allmählich schwächer. Entwickelt wurde es von der japanischen Firma Nemoto (1993); seit 1998 wird es in der Schweiz hergestellt. Nach ISO 6425 muss die Anzeige im Dunkeln noch aus 25 cm Abstand ablesbar sein.
Das Heliumventil
Sättigungstaucher leben tage- oder wochenlang unter hohem Druck in einer Kammer und atmen ein Gasgemisch mit Helium. Helium-Atome sind so klein, dass sie nach und nach durch die Dichtungen in das Uhrengehäuse wandern. Solange der Druck aussen hoch ist, schadet das nicht.
Das Problem entsteht beim langsamen Auftauchen. Der Druck draussen sinkt schneller, als das Helium aus dem Gehäuse entweichen kann, sodass innen ein Überdruck entsteht, der das Glas absprengen kann. Ein Heliumventil lässt das Gas kontrolliert hinaus: ein kleines Federventil, das öffnet, wenn der Druck im Inneren grösser ist als aussen. Manche Taucher schraubten früher die Krone auf.
Das Ventil macht eine Uhr nicht wasserdichter, es ist nur für Sättigungstaucher gedacht und findet sich meist bei Uhren mit mehr als 300 m Nennwert. Rolex meldete ein solches Ventil 1967 zum Patent an, erteilt wurde es 1970; auch Doxa gehörte in den 1960er-Jahren zu den ersten Anwendern. Es gibt auch Taucheruhren ohne Ventil, die mit besonderen Dichtungen und Gehäusekonstruktionen arbeiten.
Gut zu wissen
- Eine Uhr mit der Aufschrift «200 m» ist nicht automatisch eine Taucheruhr. Erst die Erfüllung der Norm ISO 6425 macht aus ihr eine echte.
- Eine Uhr mit der Angabe «30 m» ist für Regen und Spritzer gedacht, nicht für längere Zeit im Wasser, etwa im Schwimmbad.
- Das Heliumventil ist ein Zubehör für Sättigungstaucher. Es erhöht die Wasserdichtheit nicht.
- Die drehbare Lünette gilt als Grundtechnik für flache Tauchgänge mit Pressluft. Tiefere oder aufwendigere Tauchgänge brauchen andere Zeit- und Dekompressionshilfen.
Stand: 26.10.2026
Quellen
- Diving watch – Wikipedia (englisch)
- Taucheruhr – Wikipedia (deutsch)
- Water resistant mark – Wikipedia (englisch)
- SNV: ISO 6425:2018, Horology – Divers' watches (Abstract)
- Ocean Crawler: What Makes a Watch a Real Dive Watch? (ISO 6425 Explained)
- Helium release valve – Wikipedia (englisch)
- Super-LumiNova – Wikipedia (englisch)