Qualität und Begriffe
Chronometer und Gütesiegel
Ein Chronometer ist eine Uhr mit amtlichem Genauigkeitszeugnis. Das COSC prüft das Uhrwerk, METAS die fertige Uhr; das Genfer Siegel und das Patek-Philippe-Siegel prüfen zusätzlich Verarbeitung und Gesamtqualität.

Chronometer ist nicht Chronograph
Das Wort «Chronometer» bezeichnet eine Uhr, die ihre Genauigkeit amtlich nachgewiesen hat. Es hat nichts mit dem Chronographen zu tun, der Zeit stoppt. Ein Chronometer ist also keine Uhr mit einer besonderen Funktion, sondern eine Uhr mit einem Zeugnis.
In der Schweiz übernimmt diese Prüfung das COSC (Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres), eine nicht gewinnorientierte Prüfstelle. Es besteht in seiner heutigen Form seit 1973 und wurde von fünf Uhrenkantonen und dem Uhrenverband FH gegründet. Geprüft wird in Laboren in Biel, Saint-Imier und Le Locle.
Die COSC-Prüfung Schritt für Schritt
Das COSC prüft nur das Uhrwerk ohne Gehäuse, mechanische Werke nach der Norm ISO 3159. Ein mechanisches Werk wird 15 Tage lang gemessen, in fünf verschiedenen Lagen (flach liegend, mit dem Zifferblatt nach unten und in drei senkrechten Lagen) und bei drei Temperaturen: 8, 23 und 38 Grad Celsius.
Entscheidend ist nicht ein einzelner Wert, sondern ein Bündel von Kriterien. Das wichtigste: Der mittlere tägliche Gang muss zwischen −4 und +6 Sekunden liegen. Die Uhr darf im Schnitt also höchstens 4 Sekunden pro Tag nachgehen und 6 Sekunden vorgehen. Dazu kommen Grenzen für die Schwankung von Tag zu Tag (im Mittel höchstens 2 Sekunden, die grösste Schwankung höchstens 5 Sekunden), für den Unterschied zwischen liegenden und hängenden Lagen (−6/+8 Sekunden) und für den Einfluss der Temperatur (±0,6 Sekunden pro Grad).
Man kann sich das wie eine Fahrprüfung für das Werk vorstellen: Es muss nicht an einem einzelnen Tag gut laufen, sondern über mehr als zwei Wochen, bei Hitze und Kälte, flach liegend und hochkant.
Master Chronometer: die ganze Uhr, Magnetfelder, Wasser
Im Oktober 2015 stellte Omega zusammen mit dem Eidgenössischen Institut für Metrologie METAS ein neues Prädikat vor: «Master Chronometer». Voraussetzung ist, dass die Uhr Swiss Made ist und ihr Werk die Chronometer-Kriterien nach ISO 3159 erfüllt. Zusätzlich prüft METAS die fertige Uhr nach einer eigenen Vorschrift, der METAS-N001.
Hier gelten strengere und breitere Anforderungen. Der tägliche Gang darf zwischen 0 und +5 Sekunden liegen, die Uhr geht also nie nach. Geprüft wird die Genauigkeit bei verschiedenen Temperaturen, in verschiedenen Lagen, im magnetisierten Zustand und bei unterschiedlich viel Gangreserve. Dazu kommen die Gangreserve selbst und die Wasserdichtheit. Die Uhr muss Magnetfelder von 15'000 Gauss (1,5 Tesla) überstehen. Magnetfelder können den Gang einer mechanischen Uhr stören, und der Test soll zeigen, dass die Uhr das wegsteckt.
Das Genfer Siegel
Das Genfer Siegel (Poinçon de Genève) ist älter als alle anderen Zeugnisse: Das Gesetz dazu stammt vom 6. November 1886. Es ging zuerst um Herkunft und Handwerk. Das Werk muss im Kanton Genf zusammengesetzt und reguliert werden, und die Verarbeitung muss bestimmte Regeln erfüllen, etwa polierte Kanten, Rubinlager in polierten Bohrungen und abgeschrägte Räder. Eine Gangprüfung war lange freiwillig.
Seit dem 1. Juni 2012 gelten neue Kriterien. Vergeben wird das Siegel von Timelab, dem Genfer Laboratorium für Uhrmacherei und Mikrotechnik. Geprüft wird jetzt die fertige Uhr: Auf einer Maschine, die die Bewegungen des Trägers nachahmt, darf die Gangabweichung nach sieben Tagen höchstens eine Minute betragen. Wasserdichtheit, Gangreserve und Funktionen müssen den Angaben des Herstellers entsprechen. Auch die Teile, mit denen das Werk im Gehäuse befestigt wird, müssen sauber verarbeitet sein.
Das Patek-Philippe-Siegel
Patek Philippe führte 2009 ein eigenes Siegel ein, das bei den eigenen Uhren an die Stelle des Genfer Siegels trat. Es gilt laut Patek Philippe für die ganze Uhr, also für Werk, Gehäuse und jedes äussere Bauteil, und wird von der Marke selbst vergeben, nicht von einer unabhängigen Stelle. Laut Patek Philippe darf der Gang einer Uhr um höchstens −1/+2 Sekunden pro 24 Stunden abweichen, geprüft vom unverschalten Werk bis zur fertigen Uhr.
Das ist enger als bei COSC (−4/+6) und bei METAS (0/+5), gilt aber nur für Patek-Philippe-Uhren, und die Toleranzen legt die Marke selbst fest.
Gut zu wissen
- Ein COSC-Zeugnis betrifft das Werk, nicht die fertige Uhr. Erst METAS, das Genfer Siegel und das Patek-Philippe-Siegel prüfen die fertige Uhr.
- Die Zahlen sind Toleranzgrenzen, also die schlechtesten noch zugelassenen Werte. Eine gute Uhr kann deutlich besser liegen.
- Das Genfer Siegel war ursprünglich ein Herkunfts- und Handwerkszeichen. Seit 2012 prüft es zusätzlich die fertige Uhr auf Funktion.
- Alle diese Zeugnisse sind freiwillig: Keine Marke muss ihre Uhren prüfen lassen.
Stand: 26.10.2026
Quellen
- COSC – Wikipedia (englisch)
- COSC: FAQ (offizielle Seite)
- METAS: Zertifizierung Master Chronometer (offizielle Seite)
- TechCrunch: Omega Announces Its Own Watch Certification System (2015)
- Geneva Seal – Wikipedia (englisch)
- Genfer Siegel – Wikipedia (deutsch)
- Europa Star: Putting the Seal on Quality (Geneva Seal)
- SJX: Improvements to the Geneva Seal, Including Functional Testing (2011)
- Patek Philippe: The Patek Philippe Seal (offizielle Seite)
- SJX: Updated Criteria for the Patek Philippe Seal (2024)