Komplikationen – die Zusatzfunktionen
Kalender und Mondphase
Das Datum springt um Mitternacht weiter, doch wie viel die Uhr über Monatslängen und Schaltjahre «weiss», unterscheidet einfaches Datum, Jahreskalender und ewigen Kalender. Die Mondphase zeigt den Mond am Himmel, meist aber nur näherungsweise.

Das einfache Datum und seine Grenze
Die Datumsscheibe einer Uhr trägt die Zahlen 1 bis 31 und springt um Mitternacht um einen Tag weiter. Eine einfache Datumsanzeige kennt aber nur diese Zahlenreihe, nicht den Kalender. Sie weiss nicht, dass April, Juni, September und November nur 30 Tage haben. Nach einem solchen Monat zeigt sie den 31., und man muss das Datum von Hand weiterstellen.
Bei einer Uhr mit einfachem Datum ist das fünfmal im Jahr nötig: Anfang März, Mai, Juli, Oktober und Dezember.
Jahreskalender: fast von allein
Der Jahreskalender kennt die Monate mit 30 und 31 Tagen und stellt das Datum selbständig richtig. Nur beim Februar kommt er nicht weiter, denn er weiss nicht, ob dieser 28 oder 29 Tage hat. Deshalb braucht er genau eine Korrektur pro Jahr: Ende Februar, am 1. März.
Patek Philippe führte 1996 mit der Referenz 5035 seine erste automatische Armbanduhr mit Jahreskalender ein. Der Jahreskalender ist eine Zwischenstufe zwischen dem einfachen Datum und dem aufwendigeren ewigen Kalender.
Ewiger Kalender: ein mechanisches Gedächtnis
Der ewige Kalender kennt zusätzlich den Februar und die Schaltjahre. Sein Herzstück ist eine Art Gedächtnis aus Scheiben und Nocken: Eine Nockenscheibe hat für die Monate Kerben in passender Tiefe, und ein Hebel liest sie ab. Daran erkennt der Mechanismus, ob das Datum am Monatsende noch bis zum 31. weiterspringen darf oder gleich auf den 1. des nächsten Monats springen muss. Für den Februar sorgt ein Teil, das sich im Rhythmus der Jahre dreht. Nach einem Zyklus von vier Jahren, das sind 1'461 Tage, beginnt es von vorn und lässt den 29. Februar nur in jedem vierten Jahr zu.
Eine Grenze bleibt: Im Gregorianischen Kalender sind Jahrhundertjahre nur dann Schaltjahre, wenn sie sich durch 400 teilen lassen. 2000 war ein Schaltjahr, 2100 wird keines sein. Ein ewiger Kalender, der nur den Vierjahreszyklus kennt, muss deshalb am 1. März 2100 von Hand um einen Tag korrigiert werden, ebenso wieder 2200 und 2300.
Der Gedanke ist alt: Der englische Uhrmacher Thomas Mudge baute 1762 eine Taschenuhr, die einen ewigen Kalender und die Mondphase zeigte. Als erste Armbanduhr mit ewigem Kalender gilt eine Einzelanfertigung von Patek Philippe aus dem Jahr 1925. Bis in die 1940er-Jahre gab es ewige Kalender nur auf Bestellung.
Die Mondphase und wie genau sie ist
Die Mondphasenanzeige zeigt in einem Fensterchen, wie der Mond am Himmel gerade aussieht. Dahinter dreht sich eine Scheibe mit zwei aufgemalten Monden, angetrieben von einem Rad mit 59 Zähnen, das jeden Tag um einen Zahn weiterrückt. Die Zahl 59 kommt von zwei Mondmonaten zu je 29,5 Tagen.
Ein echter Mondumlauf, der synodische Monat, dauert aber 29,53059 Tage. Der Unterschied von rund 44 Minuten pro Mondmonat summiert sich: Nach rund zweieinhalb Jahren zeigt die einfache Mondphase einen Tag daneben und muss von Hand nachgestellt werden. Aufwendigere Räderwerke kommen viel näher heran. Mehrere Hersteller nennen eine Abweichung von nur einem Tag in 122 Jahren, H. Moser & Cie. sogar von einem Tag in rund 1'027 Jahren. Das sind Herstellerangaben.
Gut zu wissen
- Ein Jahreskalender will einmal pro Jahr korrigiert werden, am 1. März. Ein ewiger Kalender braucht bis 2100 keine Korrektur, sofern er richtig eingestellt ist.
- Die einfache Mondphase mit 59 Zähnen eilt dem echten Mond voraus, um rund 44 Minuten pro Mondmonat.
- Der ewige Kalender «rechnet» nicht, er liest sein Wissen mechanisch von Nocken und Scheiben ab.
Stand: 26.10.2026